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AWS startet „European Sovereign Cloud“ in Deutschland – Milliardeninvestition für digitale Souveränität

Eigene Infrastruktur unter europäischer Kontrolle
Die European Sovereign Cloud wird laut AWS über separate Rechenzentren und eine eigenständige Organisationsstruktur betrieben. Zuständig sind deutsche Tochtergesellschaften, die von EU-Bürgern geführt werden und rechtlich verpflichtet sind, im Interesse der europäischen Kunden zu handeln. Geschäftskunden sollen die vollständige Kontrolle über ihre Daten, deren Speicherort sowie über Zugriffs- und Abrechnungssysteme behalten.
Milliardeninvestitionen bis 2040
AWS plant, bis 2040 rund 7,8 Milliarden Euro in den Ausbau der ESC in Deutschland zu investieren. Der Schwerpunkt liegt auf Rechenzentren, Netzwerkinfrastruktur und Sicherheitsarchitektur. In einem nächsten Schritt soll das Modell auch auf andere Länder übertragen werden, darunter Belgien, die Niederlande und Portugal.
Reaktion auf politische und sicherheitspolitische Vorbehalte
Hintergrund der Initiative sind wachsende Sorgen europäischer Regierungen und Unternehmen über die Abhängigkeit von US-Technologiekonzernen – verstärkt seit der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus. Befürchtet werden unter anderem politische Einflussnahme, extraterritoriale Zugriffsrechte und die Gefahr, dass Cloud-Dienste im Krisenfall eingeschränkt oder abgeschaltet werden könnten.
Technische und rechtliche Absicherung
AWS verspricht, dass die European Sovereign Cloud auch unter „extremen Umständen“ funktionsfähig bleibt und keine kritischen Abhängigkeiten von Infrastruktur außerhalb der EU bestehen. In Ausnahmefällen sollen autorisierte europäische Mitarbeiter Zugriff auf den Quellcode erhalten, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. Verschlüsselung, lokales Identitäts- und Zugriffsmanagement sowie die ausschließliche Speicherung sensibler Daten in der EU sind zentrale Bestandteile des Konzepts.
Politische Unterstützung und Marktumfeld
Die Bundesregierung begrüßt das Projekt. Digitalminister Karsten Wildberger sprach von einem wichtigen Schritt, um globales Technologie-Know-how mit europäischen Datenschutz- und Sicherheitsstandards zu verbinden und den Digitalstandort Deutschland zu stärken.
Der Schritt kommt in einem Markt, der von wenigen Anbietern dominiert wird: AWS ist mit rund 29 Prozent Weltmarktanteil führend vor Microsoft und Google. Gleichzeitig zeigen Umfragen, dass zwar viele europäische Unternehmen US-Clouds nutzen, aber eine deutliche Mehrheit sich leistungsfähige europäische Alternativen wünscht. Mit der European Sovereign Cloud versucht AWS, diese Lücke zu schließen – und zugleich seine Marktposition in Europa politisch wie wirtschaftlich abzusichern.
Chefredakteur des GEWINNERmagazins, PR-Experte und Gesicht hinter den Content und Blog-Strategien von internationalen Konzernen und erfolgreichen Unternehmern aus ganz Deutschland. Mehr unter rubenschaefer.de










