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BaFin meldet 35 Prozent mehr Beschwerden – Trade Republic und Neobroker im Fokus

1.521 Beschwerden – deutlicher Anstieg
Die Verbraucherschlichtungsstelle der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) registrierte im Jahr 2025 insgesamt 1.521 Anträge – rund 35 Prozent mehr als im Vorjahr.
Davon entfielen 767 Verfahren auf Wertpapiergeschäfte im Bereich Neo-Brokerage. Damit betrifft mehr als jede zweite Beschwerde einen digitalen Broker.
Im Mittelpunkt der Kritik stehen:
- Depotüberträge mit monatelanger Verzögerung
- Fehlende oder falsche Anschaffungsdaten
- Fehler beim Steuerabzug von Dividenden und Veräußerungsgewinnen
Die BaFin spricht von Problemen, die „bei bestimmten Instituten vermehrt“ aufgetreten seien – ohne konkrete Namen zu nennen.
Trade Republic im Zentrum der Kritik
Beobachter gehen davon aus, dass insbesondere Trade Republic stark betroffen ist. Verbraucherzentralen registrierten allein zwischen Januar und September 2025 mehr als 300 Beschwerden gegen das Berliner Unternehmen.
Berichte dokumentieren:
- Depotüberträge mit Laufzeiten von bis zu neun Monaten
- Wochenlange Wartezeiten im Kundenservice
- Probleme bei internationalen Transfers
- Rückübertragungsaufforderungen wegen technischer Schwierigkeiten
Fehlende Anschaffungsdaten gelten als besonders kritisch. Ohne korrekte Einstandskurse drohen falsche Steuerberechnungen, was für Kunden erheblichen administrativen Aufwand beim Finanzamt bedeuten kann.
Auch Scalable Capital unter Druck
Neben Trade Republic wird in Medienberichten auch Scalable Capital genannt. Der Anbieter migrierte Ende 2025 Kundendepots auf eine eigene Plattform – auch hier traten offenbar Schwierigkeiten beim Übertrag und bei der Datenkonsistenz auf.
BaFin reagiert – mit Aufsichtshinweis
Bereits im August 2025 veröffentlichte die BaFin eine Aufsichtsmitteilung. Darin forderte sie Broker auf,
- Kunden transparenter über Einschränkungen zu informieren
- Serviceanfragen zügiger zu bearbeiten
- Prozesse beim Depotübertrag stabiler zu gestalten
Die Finanzaufsicht betonte, Beschwerden sehr ernst zu nehmen.
Positiv aus Sicht der Verbraucher: In rund 50 Prozent der zulässigen Fälle konnte 2025 eine einvernehmliche Lösung erzielt werden. In 288 Verfahren erkannten die Unternehmen die Forderungen vollständig an.
Die durchschnittliche Dauer eines Schlichtungsverfahrens lag bei 49 Tagen.
Wachstum trifft auf Prozessrealität
Neobroker haben in den vergangenen Jahren Millionen neuer Anleger gewonnen. Niedrige Gebühren, einfache Apps und aggressive Expansion führten zu rasantem Wachstum.
Doch der Bericht zeigt: Skalierung im Finanzgeschäft erfordert belastbare Back-End-Prozesse. Fehler bei Depotüberträgen oder Steuerdaten sind keine kosmetischen Mängel – sie betreffen rechtliche und finanzielle Kernbereiche.
Für die Branche stellt sich damit eine zentrale Frage:
Kann das Geschäftsmodell der Neobroker mit regulatorischen Anforderungen und wachsender Kundenzahl dauerhaft Schritt halten – oder drohen verschärfte Auflagen?
Die BaFin-Zahlen deuten darauf hin, dass die Wachstumsphase in eine Phase operativer Bewährung übergeht.
Chefredakteur des GEWINNERmagazins, PR-Experte und Gesicht hinter den Content und Blog-Strategien von internationalen Konzernen und erfolgreichen Unternehmern aus ganz Deutschland. Mehr unter rubenschaefer.de










