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Energie-Sektor: Warum Profis jetzt zugreifen

Ölpreise tief, Aktien könnten trotzdem steigen

Der Ölpreis notiert derzeit auf dem niedrigsten Niveau seit rund fünf Jahren. Weder geopolitische Spannungen noch die jüngsten Entwicklungen in Venezuela konnten bislang eine nachhaltige Gegenbewegung auslösen. Dennoch halten viele Marktbeobachter Kursgewinne bei Aktien von Energiekonzernen für möglich.

Ein Blick auf den Branchenindex Stoxx Europe 600 Oil & Gas zeigt, dass sich hier aus charttechnischer Sicht ein interessantes Bild ergibt. Der Index umfasst Schwergewichte wie Shell, TotalEnergies und BP, aber auch Energietechnikkonzerne wie Siemens Energy und Vestas.

Technisches Kaufsignal beim Branchenindex

Jörg Scherer, Leiter der Technischen Analyse bei HSBC Deutschland, sieht bei Ölaktien aktuell positives Momentum. Ausschlaggebend ist für ihn der MACD-Indikator, der den Abstand zwischen kurz- und langfristigem Kurstrend misst.

Die MACD-Linie hat zuletzt die Signallinie von unten nach oben gekreuzt. Technische Analysten werten dieses Signal als Hinweis darauf, dass der kurzfristige Aufwärtsdruck zunimmt und sich eine neue Aufwärtsbewegung etablieren könnte. Solche Konstellationen gelten häufig als Frühindikator für weiter steigende Kurse.

Aktien laufen dem Ölpreis voraus

Auffällig ist zudem, dass sich Ölaktien zuletzt besser entwickelt haben als der Rohstoff selbst. In der Vergangenheit war dies häufig ein vorlaufendes Signal für eine Bodenbildung beim Ölpreis. Vereinfacht gesagt: Die Aktien steigen, bevor der Ölpreis folgt.

Auch Giovanni Staunovo, Rohstoffstratege bei UBS, erwartet eine Stabilisierung des Ölpreises im ersten Quartal. Als Gründe nennt er vergleichsweise niedrige Lagerbestände in den OECD-Staaten sowie zusätzliche Nachfrage aus China, das seine strategischen Reserven aufstockt.

Angebotslage spricht für steigende Preise ab 2026

Staunovo geht davon aus, dass die Ölnachfrage ab dem zweiten Quartal 2026 anziehen wird. Gleichzeitig dürfte das Angebot außerhalb der Opec-plus-Staaten ab Mitte des Jahres kaum noch wachsen. Die Opec plus vereint wichtige Förderländer wie Saudi-Arabien und Russland. Das Zusammenspiel aus steigender Nachfrage und begrenztem Angebot könnte den Ölpreis mittelfristig nach oben treiben.

Terminmärkte signalisieren Bodenbildung

Ein weiterer Hinweis kommt vom Terminmarkt. Der S&P Goldman Sachs Commodity Index, der die Entwicklung eines breit gestreuten Rohstoff-Futures-Portfolios abbildet, hat sich zuletzt bei rund 555 Punkten stabilisiert. Für Analysten ist das ein mögliches Zeichen dafür, dass die Abwärtsbewegung ihren Tiefpunkt erreicht haben könnte.

Trotzdem mahnt Scherer zur Vorsicht. Aus rein technischer Sicht befindet sich der Ölpreis weiterhin in einem Abwärtstrend. Bei der Sorte Brent sieht er erst oberhalb von rund 72 US-Dollar einen klaren Trendbruch. Aktuell liegt der Preis deutlich darunter, nahe der Marke von 60 US-Dollar.

Ölaktien attraktiver als der Rohstoff selbst

Viele Experten raten daher eher zu Aktien als zu direkten Wetten auf den Ölpreis. Matt Maley, Chefmarktstratege bei Miller Tabak + Co., verweist darauf, dass Konzerne wie Exxon Mobil selbst bei niedrigen Preisen hohe freie Cashflows erzielen.

Maley hält einen größeren Kursschub für möglich. Ölaktien seien an der Wall Street untergewichtet und würden angesichts der skeptischen Stimmung viele Anleger überraschen, sollte es zu einem Ausbruch kommen.

Niedrige Bewertungen und ESG-Effekte

Ein Grund für die Zurückhaltung vieler Investoren liegt in Nachhaltigkeitskriterien. Öl- und Gaswerte gelten als nicht ESG-konform und waren deshalb lange Zeit wenig gefragt. Laut Scherer haben strengere regulatorische Vorgaben zusätzlich dazu beigetragen, dass Kapital aus dem Sektor abgezogen wurde.

Gleichzeitig macht genau das die Branche attraktiv. Gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis ist der Energiesektor aktuell der günstigste im breiten US-Leitindex S&P 500. Adam Turnquist von LPL Financial sieht darin eine Chance zur Diversifizierung, gerade angesichts der hohen Bewertungen vieler Technologieaktien.

Hohe Chancen, aber keine Einbahnstraße

Der S&P-500-Energiesektor legte in den vergangenen zwei Monaten bereits um 7,4 Prozent zu und gehörte damit zu den stärksten Branchen. Dennoch bleibt das Umfeld unsicher. Neil Fleming von Argus Media warnt vor einem möglichen Überangebot und vor Risiken für das globale Wachstum durch wirtschaftspolitische Maßnahmen der USA.

Unterm Strich bietet der Ölsektor ein ungewöhnliches Profil: niedrige Bewertungen, robuste Cashflows und potenzieller Rückenwind durch die Charttechnik. Nach Jahren der Schwäche könnten Ölaktien damit zu den Überraschungsgewinnern an den Börsen zählen – auch wenn der Weg dorthin von hoher Volatilität geprägt bleiben dürfte.

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