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Gen Z entdeckt das Handwerk neu – KI verändert Berufswünsche
Die Renaissance der praktischen Arbeit
Über Jahre sank die Zahl der Ausbildungsverträge im Handwerk – von mehr als 155.000 im Jahr 2009 auf knapp 134.800 im Jahr 2023. Der Trend schien klar: Die Jugend wollte ins Büro, nicht in die Werkstatt. Doch eine aktuelle LinkedIn-Studie unter 2000 Berufstätigen deutet auf einen Stimmungsumschwung hin. Fast die Hälfte der Befragten zieht heute eine Karriere im industriellen oder handwerklichen Umfeld einem klassischen Office-Job vor.
Auffällig ist: Auch die Gen Z, also die 18- bis 28-Jährigen, stimmt überraschend häufig zu. 47 Prozent der befragten jungen Menschen würden lieber praktisch arbeiten – ein Wert, der noch vor wenigen Jahren undenkbar schien.
KI als unterschätzter Karrierefaktor
Was treibt diese Entwicklung? Ein Wort taucht in den Antworten immer wieder auf: Künstliche Intelligenz. Die jungen Arbeitnehmer rechnen nüchtern durch, welche Berufe eine Zukunft haben. Fast die Hälfte der Gen Z sorgt sich, dass ihr Jobprofil durch KI bedroht ist. Und 52,7 Prozent geben offen zu: Sie richten ihre Karrierewahl danach aus, wie „KI-sicher“ ein Beruf ist.
LinkedIn-Deutschlandchefin Barbara Wittmann sieht darin keinen Zufall. Die technologische Disruption verändere den Berufseinstieg schneller als je zuvor. Berufe, die schwer automatisierbar sind, gewinnen dadurch an Attraktivität.
Arbeitsmarktforscher Tobias Zimmermann formuliert es pointierter: Die Gen Z suche nicht nur Sicherheit, sondern Relevanz. „Sie macht sich sehr wohl Gedanken darüber, wo sie einen Unterschied machen kann.“ Dass KI-Forschungspionier Geoffrey Hinton Klempner als zukunftsfesten Beruf empfiehlt, kommt da als ironische Bestätigung.
Praktische Berufe klettern in der Beliebtheit
Tatsächlich verschieben sich die Ausbildungspräferenzen messbar. 2023 wurden die meisten Ausbildungsverträge für Kfz-Mechatroniker abgeschlossen – zum ersten Mal deutlich vor kaufmännischen Berufen. Auch andere praktische Tätigkeiten gewinnen an Zuspruch.
Wittmann sieht dahinter einen kulturellen Wandel. Spätestens seit der Pandemie habe sich die gesellschaftliche Wahrnehmung „systemrelevanter“ Berufe verändert. 57 Prozent der Befragten bestätigen genau das: praktischen Jobs wird mehr Wertschätzung entgegengebracht.
… aber das Studium bleibt Standard
Trotzdem gibt es keinen tektonischen Bruch: 56,5 Prozent eines Jahrgangs starteten 2023 ein Hochschulstudium – ein unverändert hoher Wert. Die akademische Laufbahn bleibt fest verankert. Was sich allerdings ändert, ist die Bewertung der Alternativen. Ausbildungswege wirken wieder attraktiver, und viele Jugendliche fragen sich, welche Berufe Zukunft, Flexibilität und Sicherheit kombinieren.
Warum die Gen Z dem Handwerk Vorteile zuschreibt
Die Befragten verbinden praktische Berufe mit mehreren Pluspunkten:
• bessere Work-Life-Balance
• mehr Sinnhaftigkeit
• interessante Verdienstperspektiven
Über die Hälfte hält Handwerksberufe für sinnstiftender als klassische Bürojobs. Und 53 Prozent glauben sogar an bessere finanzielle Chancen.
Das klingt nach einem neuen Selbstbewusstsein – oder nach einer nüchternen Analyse eines Arbeitsmarkts, der sich unter dem Einfluss von Digitalisierung und KI rasant verändert.
Die Gen Z rechnet pragmatischer, als viele glauben
Egal ob Klempner, Mechatroniker oder Elektroniker – viele praktische Berufe gelten der Gen Z heute nicht mehr als Plan B, sondern als krisenfeste Option. Für Tobias Zimmermann ist das konsequent: „Letztlich geht es immer darum, Chancen am Arbeitsmarkt zu erkennen. Und durch KI verschieben sich diese – es entstehen neue.“
Der Bürojob verliert seinen Nimbus. Und das Handwerk gewinnt an Glanz – vielleicht erstmals seit einer Generation.
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