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Über die goldene Finanzierungsregel und deren richtige Einordnung für Unternehmer

Ratgeber

Über die goldene Finanzierungsregel und deren richtige Einordnung für Unternehmer

Die klassische Finanzierungslehre beinhaltet die verschiedenen Ausgestaltungsmöglichkeiten von Finanzierungsinstrumenten aus Sicht von Kapitalgeber und Kapitalnehmer Stichworte: Kapitalkosten, Haftungsumfang. Weitere Aspekte der Finanzierungslehre sind die Fortentwicklung von Analysetechniken sowie von Planungssystemen und die goldene Finanzierungsregel.

In diesem Kontext werden aus der Finanzierungslehre mehrere unterschiedlich anwendbare Finanzierungsregeln abgeleitet. In ihrer Gesamtheit ergeben sie somit eine Richtlinie, wie sich ein wirtschaftlich gesundes Unternehmen idealerweise finanzieren sollte.

Unterschieden wird hier in die horizontalen sowie in die vertikalen Finanzierungsregeln. Sie leiten sich von dem vermögensbestimmten Finanzierungsbegriff ab und beziehen sich gesamtheitlich betrachtet auf die statischen Bilanzverhältnisse. Der Oberbegriff in der Finanzierungslehre ist die Finanzierung. Sie ist die Versorgung des Unternehmens mit Kapital, um die wirtschaftlichen Ziele verfolgen respektive erreichen zu können.

Das beinhaltet Antworten auf die beiden Fragen

  • Wie ist die optimale Unternehmensfinanzierung bei der Auswahl zwischen den Formen Eigen- und Fremdfinanzierung
  • Was ist die richtige Auswahl von Alternativen für die optimale Finanzierung

Dabei ist die goldene Finanzierungsregel ein unverzichtbarer Bestandteil der Finanzierungslehre als solcher.

Goldene Finanzierungsregel vs. goldene Bilanzregel

Im Grunde genommen steht und fällt die unternehmerische Finanzierung unter Einbeziehung der dazugehörigen Finanzierungslehre mit den goldenen Regeln zu Finanzierung und Bilanz.

  • Die goldene Finanzierungsregel basiert auf der Fristenkongruenz zwischen der Investition und ihrer Finanzierung. Hier wird unterschieden in die Kurz- sowie in die Langfristigkeit. Fristenkongruenz ist die zeitliche Übereinstimmung der Fristen von Kapitalbindung und Kapitalüberlassung.
  • Nach der goldenen Bilanzregel müssen die langfristig an das Unternehmen gebundenen Anlagegüter durch langfristiges Kapital gedeckt sein idealerweise durch eine hohe Eigenkapitalquote Umlaufvermögen hingegen durch kurzfristiges Kapital.

Goldene vs. silberne Bilanzregel

Weiterhin einzuordnen in die allgemeine Finanzierungslehre sind die goldene sowie die silberne Bilanzregel. Nach der silbernen Bilanzregel sollte das Sachanlagevermögen durch langfristig gebundenes Kapital gedeckt sein. Es umfasst alle Vermögensgegenstände, die das Unternehmen über einen längeren Zeitraum hinweg nutzt bestenfalls über den jeweiligen Abschreibungszeitraum hinaus.

Der Königsweg ist ganz zweifellos die goldene Bilanzregel. Ein kontinuierlicher Aufbau von hohem Eigenkapital ist aus unterschiedlichsten Gründen nicht immer einfach. Er kostet auch Zeit, die oftmals nicht vorhanden ist. Insofern ist die silberne Bilanzregel eine leicht abgeschwächte Variante der goldenen Bilanzregel. Die Forderung ist „lediglich noch“, das Anlagevermögen durch Eigenkapital + langfristiges Fremdkapital zu decken zum Beispiel durch Kredite, die nicht allzu zeitnah rückzahlbar sind.

Liquiditätsregeln und Liquiditätsgrad

In der Finanzierungslehre mit ihren verschiedenartigen Finanzierungsregeln und der goldenen Finanzierungsregel spielt die Liquidität eine entscheidende oder sogar ausschlaggebende Rolle. Liquidität ist ganz allgemein die jederzeitige Verfügbarkeit über ausreichende Tausch- oder Zahlungsmittel. Entscheidend ist der adäquate Partner, aus Unternehmersicht wahlweise der Käufer und Verkäufer respektive der Financier für die Fremdfinanzierung.

Die Betriebswirtschaftslehre unterscheidet in drei Liquiditätsgrade als Kennzahlen über die Zahlungsfähigkeit. Sie errechnen sich aus den liquiden Mitteln, aus dem Geldvermögen mitsamt Wertpapieren sowie aus dem gesamten Anlage- und dem Umlaufvermögen. Innerhalb der Finanzierungslehre werden die Liquiditätsregeln der goldenen Bilanzregel zugeordnet.

Proportionalitätsregeln horizontal vs. vertikal

Wenn zwei veränderliche Größen, Summen oder Werte immer in ein und demselben Verhältnis zueinanderstehen, dann handelt es sich um eine Proportionalität.

Proportionalitätsprinzip und Proportionalitätsregeln sind ein Begriff aus der Kostenrechnung; beide sind eng mit dem Prinzip einer möglichst minimalen Gemeinkostenstreuung verwandt.

Proportionalitätsregeln erfordern die Verteilung der Gemeinkosten proportional zu fest definierten Bezugsgrößen auf die Kostenstellen. Für jede Kostenstelle wird somit eine Bezugsgröße gewählt, die sich zu den Kostenstellenkosten proportional verhält.

  • Nach der horizontalen Proportionalitätsregel wird das Bilanzverhältnis von Aktiva zu Passiva abgebildet.
  • Die vertikale Proportionalitätsregel definiert auf der Bilanz-Passivseite das Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdkapital.

Goldene Bilanzregel – Vorteile vs. Nachteile

Jede Medaille hat zwei Seiten auch die Bilanzregel.

  • Die Finanzierung mit Fremdkapital hat eine Reduzierung des steuerpflichtigen Einkommens zur Folge. Sie ist kostensparend und für das Unternehmen liquiditätsfördernd. Mit Leverage kann die Gesamtkapitalrendite den Fremdkapitaleinsatz durchaus übersteigen. Das englische leverage heißt zu Deutsch Hebelwirkung oder Hebeleffekt.
  • Üblich ist eine Unternehmensfinanzierung aus dem Mix von Eigenkapital und langfristigem Fremdkapital. Damit lässt sich allerdings kaum bis selten der Deckungsgrad I erreichen. Diese Situation schmälert die Aussagekraft der goldenen Bilanzregel und macht sie von der aussagefähigen Regel eher zu einer Orientierungshilfe. Selbst die Einhaltung der goldenen und der silbernen Bilanzregel schützt im Endeffekt nicht vor einer drohenden, allerdings nicht immer erkennbaren Insolvenz.

Resümee: Goldene Finanzierungsregel

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass der Unternehmer beziehungsweise der CFO gut beraten ist, nicht auf eine einzige Bilanz- oder goldene Finanzierungsregel zu bauen, sondern die Finanzierungslehre gesamtheitlich zu betrachten. Hier lautet der Grundsatz: Die eine Regel beachten und die andere nicht außer Acht lassen.

Ana Karen Jimenez ist Redakteurin beim Deutschen Coaching Fachverlag und hat ihren Bachelor in Literaturwissenschaften und Spanisch an der Eberhard Karls Universität Tübingen abgeschlossen. Sie ist in den Magazinen für lesenswerte Ratgeber und vielfältige Kundentexte verantwortlich.

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