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IPO-Dürre zwingt Londons Investmentbanken zum Strategiewechsel

Mit nur drei Börsengängen auf dem Hauptmarkt und sieben Listings am Wachstumssegment Aim verzeichnete London im ersten Halbjahr die schwächste IPO-Bilanz seit drei Jahrzehnten. Gerade einmal 8,8 Milliarden Pfund wurden über Neuemissionen und Kapitalerhöhungen eingeworben – inflationsbereinigt ein historischer Tiefstand. Zum Vergleich: Im Rekordjahr 2021 waren es 59 IPOs am Hauptmarkt und 66 am Aim.
Für Banken, die traditionell vom Emissionsgeschäft leben, bedeutet das einen tiefgreifenden Einschnitt. Panmure Liberum, hervorgegangen aus der Fusion von Liberum und Panmure Gordon, erzielt inzwischen 56 Prozent seiner Umsätze aus Beratung, gegenüber 25 Prozent im Jahr 2021. Kapitalmarkttransaktionen spielen nur noch eine Nebenrolle. Auch Konkurrent Peel Hunt meldete im vergangenen Jahr rückläufige Investment-Banking-Erlöse, während die Research-Sparte um 10,5 Prozent zulegte.
Das Geschäft verlagert sich. Statt IPO-Pipelines abzuarbeiten, beschäftigen sich Banker mit Secondary Placings, Private IPOs und Debt Advisory. Allein 2023 summierten sich Sekundärverkäufe am Londoner Hauptmarkt auf 14,6 Milliarden Pfund, mehr als doppelt so viel wie 2024 oder 2025 bislang. Hinzu kommen Rights Issues wie die 7-Milliarden-Pfund-Kapitalerhöhung von National Grid, die Barclays als wichtigen Umsatztreiber in seinem Kapitalmarktgeschäft bezeichnete.
Besonders gefragt sind Beratungsmandate abseits des Rampenlichts: FTSE-Konzerne lassen sich bei Refinanzierungen, Share-Buyback-Programmen oder im Umgang mit aktivistischen Aktionären beraten. Auch Bid-Defence-Arbeit hat deutlich zugenommen. „Während weniger Kapital aufgenommen wurde, war die Nachfrage nach Verwundbarkeitsanalysen und Verteidigungsstrategien hoch“, sagt Ross Mitchinson, CEO von Deutsche Numis.
Die großen US-Häuser wie Goldman Sachs oder JPMorgan sind durch ihre diversifizierten Geschäftsmodelle weniger stark betroffen. Sie profitieren von Handelsumsätzen und globalem M&A-Geschäft. Dagegen mussten britische Mid-Market-Banken konsolidieren: Liberum und Panmure Gordon formten Panmure Liberum, FinnCap und Cenkos schlossen sich zu Cavendish Capital Markets zusammen, Numis wurde 2023 von der Deutschen Bank übernommen.
Trotz der Anpassung bleibt Hoffnung auf ein Comeback. „Wir erwarten keine Flut neuer Börsengänge im Jahr 2025“, sagt Panmure-Liberum-Vizechef Bidhi Bhoma, „aber 2026 sollte besser aussehen.“ Für manche Banker wäre eine Pause ohnehin willkommen. Einer kommentiert trocken: „2021 hat unser aller Leben ruiniert, weil wir viel zu viel auf einmal stemmen mussten.“
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