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Knapper Wahlsieg für Mark Carney – Kanadas neuer Premier will wirtschaftlich gegen Trump bestehen

Mit 164 Sitzen hat Kanadas Liberale Partei unter Mark Carney knapp die Parlamentswahl gewonnen – das vierte Mal in Folge. Damit liegt sie zwar vor den Konservativen mit 147 Sitzen, verfehlt aber die absolute Mehrheit von 172 Mandaten. Der ehemalige Zentralbankchef muss künftig auf Unterstützung kleinerer Parteien wie dem Bloc Québécois setzen.
Carney, erst seit März Parteivorsitzender, setzte im Wahlkampf auf wirtschaftliche Kompetenz und außenpolitische Abgrenzung zu Donald Trump. Er versprach, Kanadas Wirtschaft zu stabilisieren und den Handelskonflikt mit den USA entschlossen anzugehen. Der neue Premier kündigte bereits umfassende Neuverhandlungen mit Washington an – insbesondere über das USMCA-Abkommen, das für drei Viertel der kanadischen Exporte entscheidend ist.
Die Wahlnacht zeigte die Nervosität der Märkte: Der kanadische Dollar legte nach ersten Prognosen zunächst zu, fiel jedoch wieder, als das knappe Ergebnis klar wurde. Mit 43 % der Stimmen hat Carney ein stabiles, aber keineswegs komfortables Mandat.
Trump hatte im März neue Zölle auf kanadische Autos verhängt und angedeutet, „wirtschaftliche Gewalt“ gegen Kanada auszuüben. Carney reagierte mit scharfer Kritik und bezeichnete die USA als „nicht mehr verlässlichen Partner“. Ökonomisch übernimmt er ein Land nahe an der Rezession mit ungelöster Produktivitätskrise und bestehender Zollbelastung.
Im Inland kündigte Carney tiefere Haushaltsdefizite an, um Infrastrukturinvestitionen und Steuersenkungen zu finanzieren. Gleichzeitig will er den Wohnungsbau über staatlich geförderte Fertigteilprogramme verdoppeln. Die Immigrationsziele wurden hingegen gekürzt – ein Schritt, der bereits auf Widerstand stößt. Alberta drohte mit einer „nationalen Einheitkrise“, sollten ihre Forderungen ignoriert werden.
Carneys Sieg markiert eine strategische Neuausrichtung der Liberalen: weg von Trudeaus progressivem Profil, hin zu wirtschaftlicher Robustheit und sicherheitspolitischer Eigenständigkeit. Dass Trump in Kanada als Bedrohung wahrgenommen wird, hat Carney konsequent genutzt – und damit den Konservativen unter Pierre Poilievre trotz starker Umfragewerte frühzeitig den Wind aus den Segeln genommen.
Poilievres an Trump angelehnte Rhetorik, seine Medienfeindlichkeit und nationalistische Botschaften wie „Canada First – For a Change“ verfehlten in der Schlussphase ihre Wirkung. Zwar holte die Partei ihr bestes Ergebnis seit 2011, doch der populistische Ton schadete mehr, als er nutzte – besonders in einem Wahlkampf, der von Trumps Eskalationen dominiert wurde.
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