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Rüstungsboom treibt Daimler Truck an – Sonderschichten statt Kurzarbeit

Werk Wörth im Ausnahmezustand
Im rheinland-pfälzischen Wörth, dem wichtigsten Standort für schwere Allradfahrzeuge, wird derzeit länger gearbeitet als geplant. Dort entstehen unter anderem die Baureihen Zetros, Unimog und Econic. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen wurde der Schichtbetrieb ausgeweitet, um eine Welle neuer Großaufträge abzuarbeiten.
Der Grund ist eine ungewöhnlich hohe Bestelltätigkeit von Streitkräften aus Europa und Übersee. In einer Phase, in der der zivile Lkw-Markt unter Konjunkturflaute und hohen Kosten leidet, sorgt ausgerechnet das Verteidigungsgeschäft für volle Auftragsbücher.
Zetros als Schlüsselmodell für Armeen
Im Mittelpunkt der Nachfrage steht der Zetros, ein schwerer, allradgetriebener Lkw, der speziell für Einsätze abseits befestigter Straßen entwickelt wurde. Seine Bauweise mit vorgezogener Motorhaube und dahinterliegender Kabine erlaubt Einsätze in Tunneln und unter niedrigen Brücken und erleichtert den Einbau geschützter Fahrerhäuser.
Die Fahrzeuge werden in unterschiedlichsten Varianten geordert: als Truppentransporter, als Logistikfahrzeuge mit Kranaufbauten, mit Seilwinden oder als Plattform für Spezialaufgaben. Mehrere tausend Einheiten sind zuletzt von militärischen Kunden bestellt worden, darunter auch eine dreistellige Stückzahl für die Bundeswehr.
Zivile Abnehmer müssen warten
Die hohe Auslastung hat Nebenwirkungen. Organisationen des Zivil- und Katastrophenschutzes berichten, dass Lieferzeiten deutlich länger geworden sind. Hintergrund: In der aktuellen geopolitischen Lage sichern sich Armeen Produktionskapazitäten frühzeitig. Aus dem Umfeld nichtmilitärischer Abnehmer heißt es, der Verteidigungssektor greife derzeit auf alles zu, was verfügbar und einsatzfähig sei.
Milliardenaufträge aus Frankreich und Kanada
Zu den größten Einzelprojekten zählt ein französischer Großauftrag. Gemeinsam mit dem Rüstungsspezialisten Arquus soll Daimler Truck in den kommenden zehn Jahren rund 7.000 Militärlastwagen liefern. Das Volumen dürfte sich auf mehrere Milliarden Euro summieren und zählt zu den bedeutendsten Defence-Deals in der Geschichte des Konzerns.
Auch Kanada setzt auf die Zetros-Flotte. Im Rahmen eines umfassenden Modernisierungsprogramms wurden bereits rund 1.500 Fahrzeuge geordert, darunter sowohl zweiachsige als auch schwere vierachsige Varianten. Der Auftragswert liegt nach Branchenschätzungen im hohen dreistelligen Millionenbereich.
Parallel stockt die Bundeswehr ihre Logistikfahrzeuge weiter auf. Für die nächsten Monate sind Auslieferungen im mittleren dreistelligen Bereich geplant, ebenfalls mit einem Volumen im zweistelligen bis niedrigen dreistelligen Millionenbereich.
Defence-Geschäft wird zur strategischen Säule
Offiziell äußert sich Daimler Truck nicht zu Details der Produktionsplanung. Klar ist jedoch: Die militärischen Programme sichern dem Konzern in einer schwierigen Marktphase eine hohe Auslastung und stabile Erlöse. Während der klassische Diesel-Lkw-Absatz unter Druck steht, entwickelt sich das Defence-Segment zunehmend zu einem tragenden Pfeiler.
Was früher ein Randgeschäft war, gewinnt damit strategisches Gewicht. Für Daimler Truck bedeutet das nicht nur volle Auftragsbücher, sondern auch eine stärkere Position in einem Markt, der von langfristigen staatlichen Budgets und geopolitischen Sicherheitsinteressen geprägt ist.
Chefredakteur des GEWINNERmagazins, PR-Experte und Gesicht hinter den Content und Blog-Strategien von internationalen Konzernen und erfolgreichen Unternehmern aus ganz Deutschland. Mehr unter rubenschaefer.de










