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Saks-Insolvenz erschüttert die Luxusbranche – Millionenrisiken für Beiersdorf, Chanel und LVMH

Ein Traditionskonzern unter der Schuldenlast

Erst 2024 war Saks Global aus der Fusion von Saks Fifth Avenue und Neiman Marcus entstanden. Der Zusammenschluss sollte einen schlagkräftigen Gegenspieler für die wachsende Online-Konkurrenz formen. Finanziert wurde der rund 2,7 Milliarden Dollar schwere Deal jedoch überwiegend über Fremdkapital. Knapp zwei Milliarden Dollar an Schulden lasteten auf der neuen Gruppe – ein Risiko, das sich nun als fatal erweist.

Sinkende Besucherzahlen, der Trend zum Direktvertrieb der Luxusmarken und eine insgesamt schwächere Nachfrage nach hochpreisiger Mode setzten das Geschäftsmodell zusätzlich unter Druck. Ende Dezember verfehlte der Konzern eine Zinszahlung von mehr als 100 Millionen Dollar – kurz darauf folgte der Gang zum Insolvenzgericht.

Die Gläubigerliste liest sich wie ein Who’s who der Luxuswelt

Aus den Gerichtsunterlagen wird deutlich, wie eng Saks Global mit der internationalen Luxusindustrie verflochten ist. Praktisch alle großen Marken zählen zu den ungesicherten Gläubigern.

An der Spitze steht Chanel mit Forderungen von rund 136 Millionen Dollar. Auch die Kering-Gruppe, zu der Gucci, Saint Laurent, Bottega Veneta, Balenciaga oder Brioni gehören, ist mit fast 60 Millionen Dollar exponiert. Für den Schweizer Richemont-Konzern (Cartier, Montblanc) geht es um rund 30 Millionen Dollar, für LVMH um etwa 26 Millionen Dollar.

Weitere große Namen auf der Liste: Ermenegildo Zegna, Giorgio Armani, Burberry, Brunello Cucinelli, Estée Lauder – und die deutsche Beiersdorf AG.

Beiersdorf als unerwarteter Betroffener

Dass der Hamburger Konsumgüterkonzern unter den größten Gläubigern auftaucht, überrascht auf den ersten Blick. Der Hintergrund liegt in der Tochtergesellschaft La Prairie, die im Premiumsegment der Hautpflege aktiv ist und über Saks wichtige Absatzkanäle in den USA bedient. Ungesicherte Forderungen von rund 22 Millionen Dollar bringen Beiersdorf auf Platz elf der Gläubigerliste.

Offiziell hält sich der Konzern bedeckt und verweist darauf, laufende Verfahren nicht zu kommentieren. Klar ist jedoch: Für La Prairie ist der US-Luxushandel ein zentraler Markt – und die Zahlungsfähigkeit eines der wichtigsten Vertriebspartner von erheblicher Bedeutung.

Strategische Fehler und ein struktureller Wandel

Die Insolvenz ist auch das Ergebnis einer Fehleinschätzung des Marktes. Während Saks Global auf Größe und Prestige setzte, verschob sich der Luxusvertrieb zunehmend in Richtung eigener Boutiquen und Onlineplattformen der Marken selbst. Gleichzeitig verloren klassische Warenhäuser an Strahlkraft – selbst Ikonen wie die Flaggschiff-Filiale an der Fifth Avenue.

Um Liquidität zu schaffen, veräußerte der Konzern zuletzt Immobilien und suchte Käufer für Minderheitsbeteiligungen an Töchtern wie Bergdorf Goodman. Die Maßnahmen reichten jedoch nicht aus, um die Zinslast zu tragen.

Neustart unter neuer Führung – mit frischem Geld

Im Zuge der Restrukturierung wurde Geoffroy van Raemdonck, früherer Chef von Neiman Marcus, an die Spitze des Konzerns berufen. Er löst Richard Baker ab, der die aggressive Expansions- und Fusionsstrategie verantwortet hatte. Baker ist auch in Europa bekannt, unter anderem als Mehrheitseigner des deutschen Warenhauskonzerns Galeria.

Für den laufenden Betrieb hat sich Saks Global eine Zwischenfinanzierung von 1,75 Milliarden Dollar gesichert. Die Filialen sollen vorerst geöffnet bleiben, Lieferketten stabilisiert und die Beziehungen zu den Luxusmarken neu geordnet werden.

Ein Stresstest für das Luxus-Ökosystem

Der Fall Saks zeigt, wie verwundbar selbst der Hochpreishandel geworden ist. Für Chanel, LVMH, Kering, Richemont oder Beiersdorf geht es kurzfristig um die Frage, wie viel von ihren Forderungen sie am Ende tatsächlich wiedersehen. Langfristig steht jedoch mehr auf dem Spiel: Die Rolle klassischer Luxuswarenhäuser im globalen Vertriebssystem.

Was einst als unverzichtbare Bühne für Marken und High Society galt, muss sich nun neu erfinden. Ob Saks Global diese Wende gelingt, wird nicht nur über das Schicksal des Unternehmens entscheiden – sondern auch darüber, wie stark die Luxuskonzerne künftig noch auf solche Partner setzen.

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Chefredakteur des GEWINNERmagazins, PR-Experte und Gesicht hinter den Content und Blog-Strategien von internationalen Konzernen und erfolgreichen Unternehmern aus ganz Deutschland. Mehr unter rubenschaefer.de

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