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Sechs Trends: Das macht Corona mit der Welt

Die Welt mit COVID-19 ist eine andere. Die Pandemie verändert die Lebensweise der Menschen nachhaltig und viele Branchen müssen sich darauf einstellen. Dies bedeutet auch, tradierte Denkmuster aufzubrechen.

Die Management- und Technologieberatung BearingPoint zeigt in sechs Thesen, wie sich die Meinungen zum Alltagsleben wandeln: von der Entdeckung des Homeoffice bis hin zur Liebe für den Individualverkehr.

Sechs Trends aufgrund der Corona-Pandemie

1. Arbeitswelt: Präsenzpflicht war gestern, Homeoffice etabliert sich.

Vor Covid-19 war die persönliche Anwesenheit bei den meisten Arbeitgebern Pflicht, obwohl sich jeder zweite Berufstätige wünschte, von zu Hause aus zu arbeiten. Das hat sich nun geändert. Iris Grewe, BearingPoint Deutschlandchefin, erklärt: „Die physische Präsenz bei der Büroarbeit wurde in vielen Bereichen schon lange überschätzt. Die Covid-19-Situation zeigt, dass Homeoffice und virtuelle Besprechungen funktionieren und weder den Arbeitsergebnissen noch der Zusammenarbeit keinen Abbruch tun.

Sogar die Bundeskanzlerin hat während der Quarantäne von zu Hause aus regiert. Der Anteil des virtuellen Arbeitens ist massiv gestiegen und wird häufig zum neuen Standard werden. Die Büronutzung erfolgt dann eher zielgerichtet und vor allem situationsspezifisch.“ Laut einer Bitkom-Umfrage arbeitet aktuell jeder Zweite ganz oder zumindest teilweise von zu Hause aus.

2. Verkehr: Der Individualverkehr profitiert von Corona auf Kosten der öffentlichen Verkehrsmittel.

Vor der Pandemie sah es so aus, als würden die öffentlichen Verkehrsmittel (ÖPNV) den Individualverkehr zunehmend ablösen. Das hat sich mit dem Ausbruch von Covid-19 wieder geändert. Dr. Stefan Penthin, Globaler Leiter Automotive bei BearingPoint, sagt dazu: „Insbesondere das Auto feiert sein Comeback. Der ÖPNV verliert dagegen stark an Bedeutung. Immer mehr Menschen steigen aus Angst vor Ansteckung im öffentlichen Nahverkehr wieder auf das eigene Fahrzeug um. Die Corona-Pandemie wird daher den Durchbruch für Elektroautos bringen. Nicht zuletzt auch durch die umfassenden Förderungsmaßnahmen der E-Mobilität, wie sie das Konjunkturpaket der Bundesregierung vorsieht. Wir werden damit eine ganz neue Bedeutung von Verkehrswende erleben.“

3. Bildung: Hybrides Lernen wird zum neuen Standard.

Jon Abele, Leiter Public Services bei BearingPoint, stellt fest: „Die Covid-19-Krise hat gnadenlos die Schwachstellen im Bereich Digitale Schule offengelegt. Zu lange wurde es versäumt, unsere Schulen in die digitale Welt zu überführen. Jetzt sehen wir die Nachteile. Die Krise wird aber nun zum Treiber: Der Staat wird in der Krise alle Schulen umfassend digitalisieren und das hybride Lernen zum neuen Standard machen. Jedes Kind wird Zugang zu digitalen Lerninhalten seiner Schule haben und das virtuelle Klassenzimmer seinen festen Platz im Schulalltag einnehmen.“

Mit dem gerade verabschiedeten Konjunkturpaket reagiert die Bundesregierung auf die teils desolate Situation im Bereich Digitale Schule und investiert zwei Milliarden Euro für die digitale Zukunft der Schulen. Zusammen mit dem Digitalpakt Schule werden dadurch jetzt Investitionen in Infrastrukturen möglich, die dem E-Learning im virtuellen Klassenzimmer zum Durchbruch verhelfen.

4. Sharing Economy: Teilen ist out. Privateigentum und Privatsphäre sind wieder auf dem Vormarsch.

Vor der Corona-Krise wurde das Eigentum weitestgehend von der Sharing Economy abgelöst. Sharing und Corona wollen jedoch scheinbar nicht so recht zusammen finden. Das erklärt Matthias Loebich, Globaler Leiter Markets bei BearingPoint: Covid-19 und Sharing passen nicht zusammen. Die Menschen haben schlicht Angst vor Ansteckung. Zudem lernen sie gerade in der Pandemie wieder Privateigentum, Privatsphäre und Hygiene schätzen. Das hat Auswirkungen auf alle Bereiche der Sharing Economy, von AirBnB über Car Sharing bis hin zum Markt für Gebrauchtartikel. Die Sharing Economy wird daher wahrscheinlich eine Nische für eine kleine Großstadtklientel bleiben.“

Die Sharing-Nutzerzahlen sind rasant abgestürzt und viele Anbieter haben ihr Angebot stark verkleinert. Eine aktuelle Umfrage des Bundesverbands Carsharing unter den Mitgliedsunternehmen ergab, dass die Buchungszahlen bis Mitte April teilweise um bis zu 80 Prozent zurückgingen. Außerdem schätzen mehr als ein Drittel der Unternehmen die langfristigen Auswirkungen durch die Corona-Krise als existenzbedrohend ein.

5. Geld: Blüten sind Geschichte. Kontaktloses Zahlen löst das Bargeld ab.

Besonders die Deutschen wollten vor der Corona-Pandemie nicht auf Bargeld verzichten. Die Wende kam mit der Krise. Thomas Steiner, Globaler Leiter Banking & Capital Markets bei BearingPoint: „Die Deutschen liebten ihr Bargeld. Bis Covid-19 kam. Jetzt haben sie erkannt, dass es auch rein elektronisch geht und die Liebe zum Bargeld Grenzen hat. Nach Covid-19 wird das kontaktlose Zahlen dann überall der Standard sein.“

Seit Beginn der Pandemie hat rund ein Viertel der Deutschen komplett auf das Bezahlen mit Bargeld verzichtet, wie eine aktuelle Umfrage des Bankenverbandes ergeben hat. Vor Covid-19 hatte schon jeder Dritte kontaktlos gezahlt. Aktuell bezahlen somit über 60 Prozent nicht mehr bar, der Trend zum kontaktlosen Zahlen beschleunigt sich also rasant.

6. Nachhaltigkeit: Comeback der Ökosünder?

In Bezug auf Nachhaltigkeit meint Kay Manke, Globaler Leiter Operations bei BearingPoint: „Bereits im Weihnachtsgeschäft 2019 zeichnete sich ein zunehmender Trend zu ‚Responsible Retail‘ ab – also der Berücksichtigung von Ökologie und sozialer Verantwortung bei der Kaufentscheidung. Schlägt nun Corona die Nachhaltigkeit? Gibt es ein Comeback von Plastikverpackungen, Billigfleisch und Co.? Mitnichten – das Thema Nachhaltigkeit wird durch die Corona-Pandemie beschleunigt, weiter an Bedeutung gewinnen und das Kaufverhalten der Konsumenten langfristig zu einer Ära des nachhaltigeren Konsums führen.“

Anlässlich des Spitzentreffens Petersberger Klimadialog riefen namhafte Händler sowie FMCG-Riesen zu mehr Klimaschutz auf: Auf Initiative der Stiftung „2 Grad – Deutsche Unternehmer für Klimaschutz“ forderten fast 70 Unternehmen die Bundesregierung trotz Corona-Krise dazu auf, Konjunktur- und Investitionsprogramme systematisch klimafreundlich auszurichten. Gleichzeitig verweisen aktuelle Umfragen auf die wachsende Bedeutung der Regionalität von Produkten sowie einen stärkeren Konsumentenfokus auf das Thema Nachhaltigkeit.

Anne Kläs

Anne Kläs hat einen Master of Education in Französisch und Religion, ist Expertin für hochwertigen Content und beim Gewinnermagazin für das Führen von Unternehmer-Interviews verantwortlich.

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