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Sinkende Einsatzbereitschaft trotz Milliardenprojekt

Pistorius mahnt Tempo an – Projekte bleiben zurück

Verteidigungsminister Boris Pistorius nutzte jüngst eine Bundestagsrede, um erneut mehr Geschwindigkeit bei der Stärkung der militärischen Fähigkeiten einzufordern. Angesichts russischer Cyberattacken und hybrider Operationen sieht er Deutschland längst ins Visier geraten. Dennoch kommt eine Reihe großer Vorhaben nicht voran: die neue Fregatte 126, das europäische Luftkampfsystem FCAS oder das Flugabwehrsystem Skyranger.

Besonders kritisch ist jedoch der Rückstand im Digitalprogramm der Heeresfahrzeuge. Die neuen Kommunikations- und Informationssysteme, die künftig das vernetzte Gefechtsfeld ermöglichen sollen, sind im Feldtest weiterhin störanfällig. Da alte Technik bereits ausgebaut wurde, sinkt die Einsatzfähigkeit vorübergehend weiter.

Gelassene Ministerialbürokratie trifft Realität im Heer

Im Ministerium verantwortet Generalleutnant Michael Vetter das Projekt. Er gibt sich seit Jahren unbeeindruckt – selbst dann, als frisch gelieferte Funkgeräte mangels Einbaukonzept eingelagert werden mussten oder ein größerer Feldtest im Frühjahr scheiterte. Aus Vetters Sicht sind Fehler normal, der Zeitplan angeblich nicht gefährdet.

Diese Einschätzung teilt das Heer nicht. Heeresinspekteur Christian Freuding macht deutlich, dass die neue Technik nicht nur im Labor, sondern unter Gefechtsbedingungen funktionieren müsse – bei Kälte, Hitze, Schmutz und hoher Belastung. Die derzeitigen Verzögerungen bezeichnet er als direkten Angriff auf die Einsatzbereitschaft der Truppe.

Ernüchternde Vorführung in Munster

Eine Demonstration auf dem Truppenübungsplatz Munster bestätigte die Zweifel. Während Journalisten lediglich die Hardware gezeigt wurde, erfuhren Abgeordnete, dass bei dem laufenden Systemnachweis dieselbe Softwareversion genutzt wurde, die bereits im Mai zu gravierenden Ausfällen geführt hatte. Verbesserte Versionen werden erst 2025 erwartet, ein breiter Einsatz frühestens 2026.

Der Plan, Verbände geschlossen umzurüsten, musste bereits verworfen werden. Selbst die NATO-Schnellbrigade, die im Ernstfall binnen weniger Tage einsatzbereit sein muss, bleibt vorerst analog. Der Hybridbetrieb aus alter und neuer Technik könnte sich bis in die 2030er-Jahre ziehen.

Die Zahlen zeigen das eigentliche Ausmaß

Noch deutlicher wird die Lage beim Blick auf die Umbauquote: Geplant waren über 440 umgerüstete Fahrzeuge bis Jahresende, tatsächlich waren zuletzt nur 86 fertiggestellt. Insgesamt sind rund 16.000 Fahrzeuge zu modernisieren – ein Kraftakt, der bereits jetzt hinter den politischen Versprechen zurückbleibt.

Wachsende Kritik aus dem Bundestag

Im Parlament wächst der Unmut. CDU-Verteidigungspolitiker Jens Lehmann fordert klare und ehrliche Informationen, da zu vieles schöngefärbt werde. Auch die Grünen sprechen von einer „Salami-Taktik“: Probleme würden erst dann eingeräumt, wenn sie nicht länger verschwiegen werden könnten.

Für Pistorius wird die Lage zur Belastungsprobe. Die Truppe wartet auf funktionierendes Gerät, das Parlament auf belastbare Auskünfte – und der Minister auf sichtbare Fortschritte, die seinem Anspruch der Zeitenwende gerecht werden.

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