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Soja-Versprechen ohne Wirkung: Warum Trumps China-Deal die US-Farmer nicht rettet

Abhängigkeit von China bleibt das Kernproblem
Für die US-Sojaindustrie ist China weiterhin der mit Abstand wichtigste Absatzmarkt. Daran hat sich trotz politischer Ankündigungen nichts geändert. Als China im Oktober zusagte, zwölf Millionen Tonnen US-Sojabohnen abzunehmen, war die Erleichterung groß. Viele Landwirte schöpften neue Hoffnung. Doch die Entspannung war nur von kurzer Dauer.
Josh Gackle, Vorsitzender der American Soybean Association, warnte bereits im Dezember vor zu viel Optimismus. Sollte der Handel erneut ins Stocken geraten, treffe es die Sojabauern als Erste. Der letzte Handelskonflikt habe die Exporte in die Volksrepublik um 76 Prozent einbrechen lassen und Schäden von über 27 Milliarden Dollar verursacht.
Zusagen mit offenem Zeitplan
Während des Handelskonflikts hatte China seine Importe aus den USA zeitweise vollständig eingestellt und stattdessen massiv auf Lieferungen aus Brasilien gesetzt. 2024 stammten noch rund 25 von insgesamt 46 Millionen Tonnen US-Sojaexporten aus Lieferungen nach China. Danach brach dieser Absatzkanal abrupt weg.
Im Herbst versprach Chinas Staatschef Xi Jinping eine Abnahme von zwölf Millionen Tonnen. Der Zeitrahmen blieb allerdings unklar. Zunächst war von Lieferungen bis Jahresende die Rede, später von Februar 2026. Zusätzlich stellte China in Aussicht, bis 2028 jährlich mindestens 25 Millionen Tonnen abzunehmen. Für viele Landwirte stellt sich jedoch die entscheidende Frage: Wie belastbar sind diese Versprechen?
Nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg wurden bis Ende 2025 lediglich rund acht Millionen Tonnen importiert. Ob die zugesagte Menge vollständig erreicht wird, ist offen.
Déjà-vu aus Trumps erster Amtszeit
Die Skepsis ist nicht unbegründet. Bereits während der ersten Amtszeit von Donald Trump hatte China ähnliche Zusagen gemacht. Diese waren jedoch an Marktbedingungen geknüpft. Sobald Soja aus Brasilien oder Argentinien günstiger war, griffen chinesische Einkäufer dort zu.
Am Ende wurden laut Angaben der American Soybean Association und des US-Sojaexport-Verbandes USSEC nur rund 77 Prozent der zugesagten Mengen tatsächlich abgenommen. Viele Farmer fürchten nun eine Wiederholung dieses Musters.
Börse reagiert kühl
Auch an den Finanzmärkten blieb die große Erleichterung aus. Aktien von Agrarkonzernen wie Corteva, Bunge Global oder Archer Daniels Midland konnten seit Oktober kaum profitieren. Das deutet darauf hin, dass Investoren dem Deal mit China nur begrenzte Bedeutung beimessen.
Eine Ausnahme bildete die Seaboard Corporation. Das ist insofern bemerkenswert, als der Konzern als Fleischproduzent eher von niedrigen Sojapreisen profitieren würde, die durch ein Überangebot in den USA entstehen könnten.
Landtechnik unter zusätzlichem Druck
Auch bei den Herstellern landwirtschaftlicher Maschinen ist von Euphorie nichts zu sehen. Titel wie AGCO, Tractor Supply oder John Deere treten auf der Stelle.
Dabei hatte AGCO-Chef Eric Hansotia offen für ein Abkommen mit China geworben. Doch politische Versprechen halfen den Kursen nicht. Trumps Ankündigung, den Landwirten zwölf Milliarden Dollar an Hilfen bereitzustellen, sorgte eher für neue Unsicherheit. Denn der Präsident machte zugleich klar, dass die Bauern dieses Geld vor allem für Maschinen ausgeben sollen – und dass die Hersteller ihre Preise senken müssten.
Die US-Regierung argumentiert, Umweltauflagen hätten die Kosten für Landtechnik in die Höhe getrieben und sollten nun gelockert werden. Konkrete Belege für diesen Zusammenhang blieb sie bisher schuldig. Für Investoren entsteht damit ein zusätzliches Risiko, zumal die versprochenen Hilfen bislang noch nicht ausgezahlt wurden.
Strukturelle Probleme bleiben ungelöst
Unabhängig vom China-Deal bleibt die wirtschaftliche Lage der US-Landwirtschaft angespannt. Regierungsdaten zufolge haben sich die Schulden der Branche seit 2005 auf rund 600 Milliarden Dollar verdreifacht. Laut einem Bericht der Federal Reserve Bank of Kansas City haben sich die Kreditbedingungen für Landwirte zuletzt weiter verschlechtert.
Ben Buckner von AgResource verweist darauf, dass über die zwölf Millionen Tonnen hinaus bislang keine verbindlichen Zusagen aus China bestätigt seien. Das entspräche weniger als der Hälfte früherer Liefermengen. Ohne formelle Vereinbarungen bleibe der Preisdruck auf Sojabohnen hoch.
Brasilien profitiert – vorerst
Während US-Farmer auf eine Rückkehr Chinas hoffen, boomt das Geschäft in Südamerika. Rund 80 Prozent der brasilianischen Sojaexporte gingen 2025 nach China. Bis November lagen die Ausfuhren 16 Prozent über dem Vorjahr, trotz saisonal schwächerer Monate zum Jahresende.
Doch auch dort wächst die Nervosität. Sollte China seine Zusagen gegenüber den USA einhalten, könnten die Abnahmemengen aus Brasilien sinken. Analystin Daniele Siqueira von AgRural warnt, dass Brasilien 2026 mit einem Überangebot konfrontiert sein könnte. Sinkende Preise könnten China wiederum dazu verleiten, erneut umzuschwenken.
Der Soja-Deal bleibt damit ein politisches Versprechen mit vielen offenen Flanken. Für US-Landwirte ist er bislang kein Befreiungsschlag – sondern eher ein Hoffnungsschimmer mit erheblichen Unsicherheiten.
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