Ticker
UBS bereitet sich auf Ermotti-Abgang vor – Machtpoker um die Nachfolge beginnt

Der Zeitplan passt zur strategischen Erzählung der UBS: Erst die Übernahme und Eingliederung der kollabierten Credit Suisse vollenden, dann die Nachfolge regeln. Dieses Mammutprojekt soll bis Ende 2026 „im Wesentlichen abgeschlossen“ sein. Ein Abgang Ermottis im Frühjahr 2027, rund um die Generalversammlung, würde exakt in dieses Drehbuch passen – auch wenn der Verwaltungsrat den Fahrplan noch nicht formell bestätigt hat.
Für die Bank wäre es ein geordneter Übergang in einer Phase der Stärke. Seit der staatlich orchestrierten Übernahme der Credit Suisse hat sich der UBS-Aktienkurs mehr als verdoppelt, allein im vergangenen Jahr legte er um rund ein Drittel zu. Ermotti, 65, ist damit nicht nur Krisenmanager, sondern auch einer der erfolgreichsten Bankchefs Europas der vergangenen Dekade.
Ein offenes Rennen in der Konzernspitze
Der mögliche Rückzug setzt einen internen Wettbewerb in Gang, der bereits seit Monaten läuft. Als aussichtsreiche Kandidaten gelten vor allem:
- Iqbal Khan und Rob Karofsky, die Co-Chefs des zentralen Wealth-Management-Geschäfts,
- Beatriz Martin, Chief Operating Officer,
- Aleksandar Ivanovic, Leiter des Asset-Managements.
Alle vier stehen für unterschiedliche Profile: Investmentbanking-Erfahrung, operative Exzellenz, Vermögensverwaltung, institutionelles Geschäft. Die Wahl wird auch ein Signal setzen, wohin die UBS strategisch steuern will – stärker in Richtung globaler Vermögensverwalter oder als breit aufgestellter Universalbank-Champion.
Politischer Gegenwind als Hypothek für den Nachfolger
Wer auch immer Ermotti beerbt, übernimmt kein bequemes Erbe. Zwar gilt die Integration der Credit Suisse als operativ weitgehend gelungen, doch regulatorisch droht der nächste Kraftakt. Die Schweizer Regierung plant schärfere Eigenkapitalregeln, insbesondere eine vollständige Kapitalunterlegung ausländischer Tochtergesellschaften. Nach Berechnungen der UBS würde dies zusätzliches Eigenkapital von rund 23 Milliarden Dollar erfordern.
Die Bank warnt, solche Vorgaben würden ihre Wettbewerbsfähigkeit und die des gesamten Finanzplatzes Schweiz schwächen. In den vergangenen Monaten kursierten sogar Spekulationen über eine mögliche Verlagerung des Konzernsitzes – von Ermotti zwar zurückgewiesen, politisch aber als Druckmittel wahrgenommen.
Fazit
Der mögliche Abschied Sergio Ermottis im Frühjahr 2027 markiert das Ende einer Ära, in der er die UBS gleich zweimal durch existenzielle Phasen führte – nach der Finanzkrise und nun nach der historischen Credit-Suisse-Übernahme. Für die Bank beginnt damit eine neue Phase: operativ stabil, politisch unter Druck, strategisch vor richtungsweisenden Entscheidungen.
Der Machtkampf um die Nachfolge hat faktisch begonnen. Und er wird darüber entscheiden, wie die größte Schweizer Bank ihr Profil im europäischen und globalen Wettbewerb der kommenden Dekade schärft.
Bei Nachrichten von Eulerpool handelt es sich um extern erstellte Tickermeldungen. Ihre Einbettung erfolgt automatisch. Sie werden von uns nicht überprüft oder bearbeitet.










