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Venture Capital-Marktstudie 2020: Einblicke in die Finanzierungs- und Bewertungspraxis von deutschen Start-ups

Investoren, die Start-ups finanzieren, gehen meist hohe Risiken ein. Doch rechtliche Regelungen sind meist intransparent. Die „Venture Capital-Marktstudie 2020“ soll deshalb dazu beitragen, Transaktionsprozesse im Venture-Capital-Markt endlich transparenter zu machen.

Wer als Investor ein Start-up finanzieren möchte, hat allgemein ein hohes Risiko, so beispielsweise hinsichtlich der Bewertungen und Wertpotenziale der Beteiligungen. Die Beurteilungen basieren oft viel mehr auf Erfahrungswerten von Risikokapitalgebern als auf quantitativen Methoden. Das hat jedoch große Auswirkungen auf die Beteiligungsverträge, deren rechtliche Lage meist intransparent ist. Die „Venture Capital-Marktstudie 2020“ soll nun mehr Transparenz garantieren.

Pressemitteilung

In Deutschland bislang einzigartige Analysetiefe

Die „Venture Capital-Marktstudie 2020“ trägt in besonderer Weise dazu bei, Transaktionsprozesse im Venture Capital (VC)-Markt transparenter zu machen. Sie will die interdisziplinäre Brücke von Finanzierung, Bewertung und deren rechtlicher Ausgestaltung für Deutschland herausarbeiten. Eine derartige Analysetiefe und Ableitungsqualität hat es bislang in Deutschland nicht gegeben.

Erstellt haben die Studie – in Kooperation – die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC), Dirk Honold, Professor für Unternehmensfinanzierung und Betriebswirtschaftslehre an der Technischen Hochschule Nürnberg, sowie die Nürnberger Ventury Analytics GmbH. Befragt wurden in der Spitze 74 Investoren zu 113 Details ihrer Beteiligungshöhen, Bewertungspraxen und Finanzierungsverträge. Alle Befragten haben (auch) einen Deutschland-Fokus und investieren rechnerisch jährlich insgesamt mehr als zwei Milliarden Euro Venture Capital.

Weitere Finanzierungsrunden eingeplant

Enrico Reiche, VC-Experte von PwC Deutschland, sagt: „Eines der vielen aufschlussreichen Studienergebnisse ist, dass die Ziel-Anteilsquote der Investoren in der Regel zwischen 10 bis 24,9  Prozent liegt. Allerdings planen 80 Prozent der Geldgeber von vornherein Folgeinvestments in weiteren Finanzierungsrunden ein, um ihre Beteiligungsquoten zu halten. Für Start-ups ist das eine gute Nachricht.“ Bezüglich ihrer Bewertung in Frühphasen (Early Stage) verlassen die Befragten sich vor allem auf Erfahrungswerte. Auch Multiple-Ansätze und die VC-Methode kommen zum Einsatz. Discounted Cash-Flow (DCF)-Verfahren werden erst im Later Stage bedeutsamer.

Fast ein Drittel der Investoren passt Geschäftspläne von Start-ups an und verwendet niedrigere Diskontsätze. Die erwartete Internal Rate of Return (IRR) bezogen auf das Portfolio liegt im Mittelwert zwischen 32 Prozent jährlich für Early Stage-Start-ups und 21 Prozent jährlich für Later Stage-Unternehmen. Das erwartete Multiple liegt im Mittelwert zwischen 5,9 für Early Stage und 3,2 für Later Stage.

Stärkung des Finanz-Ökosystems

„Start-ups sind ein wichtiger Motor für Innovation und Wachstum. Risikokapital ist der Treibstoff, der die Start-ups voranbringt und den Gründerinnen und Gründern den notwendigen Raum zur Entfaltung von Leistung und Leidenschaft gibt. Das Finanz- Ökosystem prägt entscheidend die Entwicklung junger Unternehmen“, sagt Prof. Dr. Dirk Honold von der TH Nürnberg. Und ergänzt: „Die Studie belegt, dass nur jeder vierte Investor mehr als 15 Millionen Euro in ein Portfolio-Unternehmen investiert. Der aktuell diskutierte Zukunftsfonds kann hier wesentlich zu mehr großvolumigen Runden und neuen, großen VC-Investoren in Deutschland beitragen.“

Die Studie offenbart auch, dass in fast 50 Prozent der Early Stage-Deals nicht anrechenbare Liquidationspräferenzen vereinbart werden, die bei rund einem Drittel der Unternehmen als Ausgleich für höhere Unternehmensbewertungen dienen. „Durch die Studie wird der Trade-Off zwischen Bewertung und Ausgestaltung von Sonderrechten in den Verträgen ersichtlich, der das Verhandlungspotenzial der Parteien offenbart“, sagt Prof. Dr. Dirk Honold.

Unternehmensbewertungen sind auch vertragsabhängig

Bezüglich der Einflüsse auf die letztlich festgelegten Unternehmensbewertungen, offenbarte die Analyse folgende Top-3. 95 Prozent der Befragten gaben an, dass das Skalierungspotenzial bei ihnen einen „starken“ bis „sehr starken“ Einfluss hat. Rund 75 Prozent nannten zudem den Faktor „Markttrends“. Und 73 Prozent den Verhandlungsprozess.

„Hier haben Gründer offenbar die Chance, zu gestalten“, sagt PwC-Experte Enrico Reiche. Und Ventury Analytics-Geschäftsführer Patrick Hümmer ergänzt: „Das kann sich auch für die Belegschaften von Start-ups lohnen. Denn der Anteil der Mitarbeiterbeteiligungen in Form von Stock Options Plans beträgt überwiegend zwischen 6 und 10 Prozent am Gesamtkapital, wobei sich der Ausübungspreis meist am Anteilspreis der letzten Finanzierungsrunde orientiert.“

Wertminderungen und Nachfinanzierungen infolge COVID-19

Im Jahr 2020 ist ein Einflussfaktor auf die Vertragsgestaltung hinzugekommen, den es vorher noch nie gegeben hat: die Corona-Pandemie. Sie führte dazu, dass in fast 50 Prozent der von den befragten Investoren bislang im Jahr 2020 abgeschlossenen Finanzierungsrunden nach dem Signing und vor dem Closing die Unternehmensbewertung oder andere Vertragsbestandteile angepasst wurden. Patrick Hümmer erklärt: „Mehr als 75 Prozent der Investoren erwarten, dass COVID-19 eher zu sinkenden Bewertungen führt. Einen erweiterten Finanzierungsbedarf sehen die Befragten ebenfalls bei 75 Prozent der Start-ups. Dabei befürworten 55 Prozent der Investoren eine Co- Finanzierung mit staatlichen Mitteln. Die Mehrheit dieser Investorengruppe möchte jedoch nicht auf Staatshilfen warten.

Mehr Effizienz und Effektivität in Finanzierungsprozessen

„In ihrer Gesamtheit trägt die ‚Venture Capital-Marktstudie 2020‘ zu einer deutlich höheren Transparenz bei Start-up-Finanzierungen in Deutschland bei. Dies ermöglicht unter anderem Benchmarkings, die wichtige Entscheidungshilfen für alle Parteien einer VC-Transaktion sein können“, sagt Studien-Co-Autor und PwC Legal Partner Gerhard Wacker. „Die interdisziplinäre Brücke zwischen der Bewertungspraxis und der rechtlichen Gestaltung von Finanzierungsrunden in Beteiligungsverträgen erlaubt zudem Rückschlüsse auf die Verhandlungsprozesse und deren Motivationen.“ Und diese führten zu effizienteren und effektiveren Finanzierungsprozessen.

Die Studie findet ihr unter folgendem Link.

Anne Kläs hat einen Master of Education in Französisch und Religion, ist Expertin für hochwertigen Content und beim Gewinnermagazin für das Führen von Unternehmer-Interviews verantwortlich.

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