Ticker
Von wegen Trendumkehr – Playmobil schließt Produktion in Deutschland

Werk in Dietenhofen macht dicht
Monatelang kursierten Gerüchte, nun ist es offiziell.
Playmobil begründet die Entscheidung mit gestiegenen Produktionskosten und einer umfassenden Analyse der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Die Fertigung soll ins Ausland verlagert werden – große Teile der Produktion laufen bereits seit Jahrzehnten auf Malta.
Das Ziel: Wettbewerbsfähigkeit sichern und Kosten senken.
Für den Standort Dietenhofen bedeutet das jedoch das Aus.
Wirtschaftliche Schieflage verschärft sich
Die Zahlen zeichnen ein deutliches Bild:
- Umsatzrückgang 2025 in Deutschland: –8 Prozent auf rund 104 Mio. Euro
- Gesamtmarkt Spielwaren 2025: +3 Prozent
- Geschätzter Verlust 2024/25: rund 100 Mio. Euro
- Umsatzverlust in den vergangenen Jahren: mehr als ein Drittel
Die einst komfortablen Barreserven, die Gründer Horst Brandstätter aufgebaut hatte, schwinden kontinuierlich.
Während Wettbewerber vom wachsenden Spielwarenmarkt profitieren, verliert Playmobil weiter Marktanteile.
Gewerkschaft spricht von Missmanagement
Die Industriegewerkschaft IGBCE wirft dem Management Wortbruch vor. Die Belegschaft sei erst kurz vor einer Mitarbeiterversammlung informiert worden. Zuvor habe das Unternehmen monatelang Nachfragen abgeblockt.
Gewerkschaftssekretär Maximilian Krippner spricht von „jahrelangem Missmanagement“, dessen Folgen nun auf die Beschäftigten abgewälzt würden.
Auch der Bürgermeister von Dietenhofen zeigte sich überrascht. Die Informationspolitik des Unternehmens sorgt lokal für erhebliche Verstimmung.
Führungskrise seit Brandstätters Tod
Seit dem Tod von Gründer Horst Brandstätter 2015 steckt das Unternehmen in strukturellen Spannungen:
- Hohe Management-Fluktuation
- Interne Machtkämpfe
- Sinkende Umsätze
Die Eigentümerstruktur ist komplex: Marke und Unternehmensgruppe gehören zwei Stiftungen, an deren Spitze Brandstätters frühere Sekretärin Marianne Albert steht.
Brandstätters Sohn Conny kritisiert die Nachfolgeregelung seit Jahren offen.
Strategische Neuausrichtung mit ungewissem Ausgang
Noch auf der Spielwarenmesse in Nürnberg sprach Vorstandschef Bahri Kurter von einer möglichen Trendwende. Neue Partnerschaften (DFB, Wrestling-Reihe, Barbie) sowie technische Innovationen – etwa sprechende Figuren mit Mehrsprachigkeit – sollten Impulse setzen.
Ob diese Initiativen greifen, bleibt offen.
Kurters eigener Vertrag läuft nach drei Jahren aus. Eine Verlängerung ist bislang nicht bestätigt.
Symbolischer Einschnitt
Mit der Schließung des Werks in Bayern endet ein Kapitel deutscher Industriegeschichte.
Playmobil war über Jahrzehnte ein Synonym für „Made in Germany“ im Kinderzimmer.
Nun folgt der strategische Realismus – getrieben von Kostendruck, internationalem Wettbewerb und strukturellen Versäumnissen.
Die angekündigte Trendumkehr wirkt angesichts der Standortschließung wie eine Fußnote.
Chefredakteur des GEWINNERmagazins, PR-Experte und Gesicht hinter den Content und Blog-Strategien von internationalen Konzernen und erfolgreichen Unternehmern aus ganz Deutschland. Mehr unter rubenschaefer.de










