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Warum die Gründerszene in Deutschland trotz Krise boomt

Junge Generation setzt auf Selbstständigkeit

Dass bekannte Start-ups wie Lilium, Customcells oder Zolar Insolvenz anmelden mussten, scheint den Gründungswillen kaum zu bremsen. Mehr als die Hälfte der unter 25-Jährigen kann sich inzwischen vorstellen, ein eigenes Unternehmen zu gründen. Das geht aus einer aktuellen Befragung des Haftpflichtverbands der Deutschen Industrie hervor, an der fast 3.800 Erwerbstätige teilnahmen. Noch ein Jahr zuvor lag dieser Anteil bei lediglich 40 Prozent.

Die Zahlen deuten auf einen Stimmungsumschwung hin. Selbstständigkeit wird von vielen nicht mehr nur als Risiko, sondern zunehmend als Alternative zum klassischen Angestelltenverhältnis gesehen.

Mehr Neugründungen trotz angespannter Lage

Diese Einstellung spiegelt sich auch in den Gründungszahlen wider. Laut Daten des Startup-Verbands und des Analyseportals Startupdetector wurden im Jahr 2025 bundesweit 3.568 Start-ups neu gegründet. Das entspricht einem Plus von 29 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Bemerkenswert ist dieser Anstieg vor allem deshalb, weil die Stimmung unter Gründerinnen und Gründern gleichzeitig als angespannt gilt. Kapitalmangel, Bürokratie und fehlende Kooperationen mit etablierten Unternehmen bleiben zentrale Kritikpunkte.

Arbeitsmarkt als Treiber der Gründungswelle

Ein wesentlicher Faktor für den Boom liegt im schwachen Arbeitsmarkt. 2025 war für viele Beschäftigte ein Krisenjahr. Im Sommer überschritt die Zahl der Arbeitslosen erstmals seit Langem wieder die Marke von drei Millionen. Große Arbeitgeber wie Volkswagen, SAP, Lufthansa oder ZF Friedrichshafen kündigten umfangreiche Stellenstreichungen an oder setzten diese bereits um.

Parallel dazu ist die Zahl offener Stellen innerhalb von drei Jahren nahezu um die Hälfte gesunken. Vor diesem Hintergrund erscheint die Selbstständigkeit vielen als kontrollierbarere Option als ein unsicheres Angestelltenverhältnis.

Finanzierung und Kooperationen bleiben Schwachstellen

Gleichzeitig sprechen viele Kennzahlen gegen einen Einstieg ins Unternehmertum. Kooperationen zwischen Start-ups und etablierten Konzernen haben deutlich abgenommen. 2025 arbeiteten nur noch 56 Prozent der befragten Gründer mit großen Unternehmen zusammen. Fünf Jahre zuvor lag dieser Wert noch bei fast 72 Prozent.

Auch bei der Finanzierung hinkt Deutschland hinterher. In den Jahren 2023 und 2024 sammelten Start-ups jeweils etwas mehr als sieben Milliarden Euro ein. Zum Vergleich: 2021 lag das Investitionsvolumen bei 18,8 Milliarden Euro. Selbst vor der Pandemie, im Jahr 2019, floss mit 7,8 Milliarden Euro mehr Kapital als zuletzt.

Regionale Schwerpunkte und neue Hotspots

Trotzdem entstehen neue Unternehmen in fast allen Teilen des Landes. Die meisten Gründungen entfielen 2025 auf Bayern, Nordrhein-Westfalen, Berlin und Baden-Württemberg. Prozentual besonders stark wuchs die Szene im Saarland, in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Bayern. Im Freistaat wurde mehr als jedes fünfte neue Start-up gegründet.

Bezogen auf die Neugründungen pro 100.000 Einwohner liegt München vor Berlin, Düsseldorf, Aachen und Potsdam. Düsseldorf konnte sich in diesem Ranking im Vergleich zum Vorjahr um fünf Plätze verbessern.

Rüstungs- und KI-Start-ups ziehen Investoren an

Besonders gefragt sind derzeit junge Unternehmen aus der Rüstungsbranche. Laut Daten von Dealroom und dem Startup-Verband sammelten deutsche Rüstungs-Start-ups in den ersten neun Monaten 2025 fast doppelt so viel Kapital ein wie im gesamten Jahr 2024 – und ein Vielfaches im Vergleich zu 2020. Zu den bekanntesten Vertretern zählen Quantum Systems und Helsing aus München. In Berlin arbeitet Stark an Drohnentechnologie, während Arx-Robotics von ehemaligen Bundeswehroffizieren geführt wird.

Noch breiter aufgestellt ist der Bereich der Künstlichen Intelligenz. Zahlen der KfW und von Dealroom zeigen, dass deutsche KI-Start-ups bereits nach drei Quartalen 2025 ähnlich viel Risikokapital erhielten wie im gesamten Vorjahr. Mehr als 27 Prozent der neu gegründeten Start-ups setzen KI als zentrales Element ihres Geschäftsmodells ein. 2024 waren es noch 18 Prozent. Für Startupdetector-Geschäftsführer Arnas Bräutigam ist klar: Künstliche Intelligenz prägt inzwischen die Gründungslandschaft in nahezu allen Branchen.

Hochschulen als stabiler Rückhalt

Ein Lichtblick für viele Gründer ist die Unterstützung durch Hochschulen. Mehr als die Hälfte der befragten Jungunternehmer gab an, Hilfe aus dem akademischen Umfeld erhalten zu haben. Besonders geschätzt werden die Vernetzung mit relevanten Akteuren sowie die Vermittlung unternehmerischer Kompetenzen.

Trotz schwieriger Finanzierung, hoher Bürokratie und eines angespannten Marktumfelds zeigt sich damit ein klares Bild: Für viele junge Menschen ist Gründen weniger ein Abenteuer als eine bewusste Antwort auf einen Arbeitsmarkt, der zunehmend an Sicherheit verliert.

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