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Warum immer mehr Anleger auf Hebel-ETFs setzen – und warum das brandgefährlich ist

Der Turbo-Trend der jungen Zocker
Wer sich durch Reddit-Foren klickt, stößt schnell auf drastische Selbstversuche à la: „Alles in 3x Hebel – broke oder Lambo.“ Solche Aussagen spiegeln die aktuelle Stimmung unter vielen jungen Anlegern wider: Statt auf klassische Indexfonds zu setzen, greifen sie zu Produkten, die die tägliche Bewegung eines Index verdoppeln, verdreifachen oder vervierfachen.
Und das Volumen explodiert: Fast 250 Milliarden Dollar stecken weltweit bereits in Hebel-ETFs und -ETPs – ein Zuwachs von rund 80 Prozent seit Frühjahr. Allein in Europa gibt es inzwischen über 400 solcher Produkte, überwiegend auf Aktienindizes.
Warum Hebel-ETFs so tückisch sind
Der Reiz liegt auf der Hand: Steigt der Markt, steigen Hebelprodukte überproportional. Doch das funktioniert auch umgekehrt. Fällt der Index zwei Prozent, rauscht ein zweifach gehebelter ETF vier Prozent in die Tiefe.
Dazu kommen technische Probleme:
- Pfadabhängigkeit: Der Hebel wird täglich neu berechnet, wodurch die Entwicklung langfristig vom Index abweicht.
- Volatility Drag: Schwankungen fressen Rendite – selbst in Aufwärtsphasen.
- Extremrisiken bei Einzelwerten: Drei- oder fünffach gehebelte ETPs können bei heftigen Tagesbewegungen komplett auf null fallen.
Diese Gefahren sind nicht theoretisch: Ein Short-ETP auf AMD wurde nach einem Kurssprung der Aktie über Nacht wertlos. Ein Long-ETP auf Nvidia verlor zuvor über die Hälfte seines Werts.
„Heiliger Amumbo“ & Co. – die Popkultur der Hebelprodukte
In der Reddit-Community haben manche Hebel-ETFs Kultstatus erreicht. Der Amundi Leveraged MSCI USA ETF etwa stieg seit 2009 zeitweise über 4000 Prozent – bis politische Schocks im Frühjahr zeitgleich mehrere 25-Prozent-Abstürze auslösten.
Auch Rohstoffe werden mit Hebel gehandelt: Der 3x Gold-ETC von WisdomTree zählt zu den Favoriten. Doch wie alle Turbo-Produkte steht er nur so lange gut da, wie der Trend läuft.
Kostenfalle Hebel – der unterschätzte Renditekiller
Selbst bei breiten Indizes wie dem MSCI World sind die Ergebnisse ernüchternd. Ein normaler ETF erzielte seit 2001 rund 5,9 Prozent Rendite pro Jahr – ein zweifach gehebelter ETF schaffte in der Theorie nur etwa 7,9 Prozent.
Die Gründe:
- Höhere laufende Kosten (0,6 Prozent statt 0,2 Prozent)
- Finanzierungskosten des Fremdkapitals (rund 1,8 Prozentpunkte Renditeabzug)
- Volatility Drag und Pfadabhängigkeit
Unterm Strich entstehen jährliche Gesamtkosten von über 2,4 Prozent – eine enorme Hürde für Outperformance.
Experten warnen vor der Illusion des schnellen Gewinns
Olaf Stotz von der Frankfurt School sieht die psychologische Falle: Nach starken Jahren rechnen viele Anleger damit, dass es so weitergeht – und setzen auf Hebelprodukte, um „schneller reich zu werden“. Doch die Euphorie kann kippen, und dann fließt das Geld genauso schnell wieder ab.
Auch Berater Michael Wimmer beobachtet, dass besonders junge Trader über Neobroker verleitet werden, riskante Wetten einzugehen – niedrige Gebühren und einfaches Handling tun ihr Übriges.
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Hebel – Werkzeug oder Waffe?
Ganz verteufeln wollen Experten Hebelprodukte nicht. Wer mit kleinen Beträgen experimentieren will und die Mechanik verstehen möchte, kann Hebel-ETFs testweise nutzen. Doch eines bleibt entscheidend: Die Märkte müssen stabil und relativ trendstark laufen – was aktuell kaum der Fall ist.
Oder wie es Charlie Munger einst formulierte:
„Es gibt drei Wege, wie ein kluger Mensch pleitegehen kann: Alkohol, Frauen und Leverage.“
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