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Zinssenkung trotz Spaltung: Die US-Notenbank unter Druck

Drei Gegenstimmen – und noch mehr Zweifel im Gremium

Formell stimmten drei der zwölf stimmberechtigten Mitglieder des Offenmarktausschusses (FOMC) gegen die Zinssenkung. Zwei regionale Notenbankpräsidenten wollten die Zinsen unverändert lassen, während Gouverneur Stephen Miran eine deutlich stärkere Senkung um 0,5 Prozentpunkte forderte.

Noch aussagekräftiger als die formellen Gegenstimmen ist jedoch der Blick auf die Zinsprojektionen der Fed-Mitglieder. Sechs Notenbanker erwarten, dass der Leitzins Ende 2025 wieder bei 3,75 bis 4,0 Prozent liegen wird – exakt auf dem Niveau vor der aktuellen Zinssenkung. De facto signalisiert damit fast die Hälfte des Gremiums, dass sie die jetzige Lockerung für verfrüht oder unnötig hält.

So offen gespalten war die Fed zuletzt im Jahr 2019, kurz vor der pandemiebedingten Ausnahmesituation.

Unsichere Datenlage erschwert geldpolitische Steuerung

Die Entscheidung fiel unter außergewöhnlich schwierigen Bedingungen. Der mehrwöchige Regierungs-Shutdown hatte zur Folge, dass der Fed zentrale Konjunkturdaten für Oktober fehlten. Inflations- und Arbeitsmarktzahlen lagen nur unvollständig vor, die Novemberdaten standen zum Zeitpunkt der Sitzung noch aus.

Trotz dieser Unsicherheit veröffentlichte die Notenbank ihren aktualisierten Ausblick. Für 2026 rechnet die Mehrheit der FOMC-Mitglieder nur noch mit einer einzigen weiteren Zinssenkung um 0,25 Prozentpunkte. Gleichzeitig offenbart der sogenannte Dot-Plot eine enorme Spannbreite: Während einige Notenbanker einen Leitzins von über 3,5 Prozent favorisieren, sieht mindestens ein Mitglied den Zielzins bereits bei 2,25 Prozent.

Wachstum höher, Inflation niedriger – aber keine klare Richtung

Parallel zur Zinssenkung hob die Fed ihre Wachstumsprognose für 2026 deutlich an. Statt 1,8 Prozent erwartet sie nun ein reales Wirtschaftswachstum von 2,3 Prozent. Die Inflationsprognose wurde hingegen von 2,6 auf 2,4 Prozent gesenkt – liegt damit aber weiterhin über dem offiziellen Zielwert von 2 Prozent.

Kapitalmarktexperten werten diese Kombination als Zeichen vorsichtiger Abwägung. Die Fed versucht, einerseits die Konjunktur zu stützen, andererseits aber nicht die Fehler früherer Zyklen zu wiederholen, in denen eine zu starke Lockerung spätere Inflationsschübe auslöste.

Für die Finanzmärkte bedeutet das: Der geldpolitische Rückenwind bleibt vorhanden, fällt aber schwächer und unberechenbarer aus als in früheren Lockerungsphasen.

Politischer Druck auf die Fed nimmt weiter zu

Zusätzliche Brisanz erhält die Entscheidung durch den zunehmenden politischen Druck aus dem Weißen Haus. US-Präsident Donald Trump kritisierte die Zinssenkung öffentlich als unzureichend und erneuerte seine Forderung nach deutlich niedrigeren Zinsen. Bereits im Sommer hatte Trump ein Zinsniveau von rund einem Prozent ins Spiel gebracht.

Die wiederholten Äußerungen verstärken die Debatte um die Unabhängigkeit der Fed – ein zentrales Fundament der US-Geldpolitik. Zwar ist direkter politischer Einfluss formal ausgeschlossen, doch die öffentliche Kritik erhöht den Erwartungsdruck auf künftige Entscheidungen.

Führungswechsel wirft Schatten auf Prognosen

Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist der bevorstehende Führungswechsel an der Spitze der Notenbank. Die Amtszeit von Fed-Chef Jerome Powell endet im Mai 2026. Marktteilnehmer gehen davon aus, dass Präsident Trump einen Nachfolger nominieren wird, der seiner wirtschaftspolitischen Linie nähersteht.

In diesem Kontext verlieren die aktuellen Zinsprojektionen an Verlässlichkeit. Analysten weisen darauf hin, dass der Dot-Plot künftig weniger Aussagekraft haben könnte, da geldpolitische Prioritäten unter neuer Führung neu gewichtet werden dürften.

Kevin Hassett als möglicher Nachfolger im Fokus

Als aussichtsreicher Kandidat für den Vorsitz gilt Kevin Hassett, derzeit Chef des Nationalen Wirtschaftsrats im Weißen Haus. Hassett hat sich in der Vergangenheit mehrfach für niedrige Zinsen ausgesprochen und gilt als Befürworter einer expansiveren Geldpolitik.

Er verfügt über umfangreiche Erfahrung in der Wirtschaftspolitik und war bereits während Trumps erster Amtszeit Vorsitzender des Council of Economic Advisers. Beobachter sprechen inzwischen von einer Art „Schattenvorsitz“, da seine geldpolitischen Positionen an den Märkten aufmerksam verfolgt werden.

Formal müsste Hassett zunächst in den Gouverneursrat der Fed berufen werden – etwa durch das Ausscheiden eines amtierenden Gouverneurs.

Ein schwieriges Erbe für die nächste Fed-Führung

Unabhängig von der Personalfrage steht die Fed vor einer komplexen Ausgangslage. Die interne Uneinigkeit im Offenmarktausschuss nimmt zu, der politische Druck wächst, und das wirtschaftliche Umfeld bleibt widersprüchlich: robuste Wachstumszahlen auf der einen, hartnäckige Inflation auf der anderen Seite.

Hinzu kommt das duale Mandat der US-Notenbank. Anders als die Europäische Zentralbank muss die Fed nicht nur Preisstabilität gewährleisten, sondern auch den Arbeitsmarkt stützen. Diese Gratwanderung wird 2026 schwieriger, nicht einfacher.

Ein Verlust an Glaubwürdigkeit oder der Eindruck politischer Einflussnahme könnte vor allem den US-Dollar und den Markt für Staatsanleihen belasten – mit globalen Auswirkungen.

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