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US-Zölle setzen Eurozone unter Druck – Wachstum droht zu kippen, Geldpolitik rückt in den Fokus

Die angekündigten US-Zölle auf europäische Waren könnten die Eurozone endgültig in die Rezession stoßen. Nach Jahren knapper Vermeidung eines Abschwungs – insbesondere seit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine – bringt nun die Handelspolitik der USA eine neue Belastung. Die am Mittwoch vorgestellten 20-Prozent-Zölle auf EU-Importe treffen die europäische Exportwirtschaft in einer Phase struktureller Schwäche.

Bisher konnte die Region sich trotz hoher Energiepreise und krisenbedingter Unsicherheiten auf eine solide Auslandsnachfrage stützen – insbesondere aus den USA. Doch diese letzte Stütze gerät nun ins Wanken. Laut Moody’s-Ökonom Gaurav Ganguly werde der direkte Rückgang der Exporte zwar spürbar sein, aber noch gravierender sei der psychologische Effekt. Sollte es keine baldige Einigung geben, sei eine Rezession kaum noch vermeidbar.

Zwar wurden einige Branchen, etwa die Pharmabranche, bislang von den neuen Abgaben ausgenommen. Doch selbst konservative Modellrechnungen gehen davon aus, dass ein Zollsatz von 25 % das Eurozonen-Wachstum um 0,3 Prozentpunkte im ersten Jahr senken könnte. Sollte sich der Effekt über mehrere Quartale verstärken, wäre ein Einbruch der Wirtschaftsleistung möglich – wenn auch wohl kein tiefer, länger anhaltender Abschwung.

Das Vertrauen in eine regelbasierte globale Wirtschaftsordnung steht dabei ebenso auf dem Spiel wie konkrete Aufträge. Die EZB-Präsidentin Christine Lagarde warnte in einer Rede am Mittwoch vor einem „umgekehrten Weltbild“, in dem alte Institutionen und Allianzen plötzlich an Bindungskraft verlieren. Die strukturelle Unsicherheit sei für Europa ebenso bedrohlich wie die unmittelbaren Zolleffekte.

Die Wirtschaftsprognosen der EZB aus dem März – ein BIP-Wachstum von 0,9 % für 2025 – stehen damit zur Disposition. Analysten von HSBC kalkulieren, dass bereits ein 10-Prozent-Zoll die Wachstumsrate um ein Drittelprozent drücken könnte. Sollte das Vertrauen zusätzlich einbrechen, sei ein „deutlich größerer Rückgang“ nicht auszuschließen.

Auf der fiskalpolitischen Seite wurden erste Gegenmaßnahmen eingeleitet. Deutschland investiert stärker in Infrastruktur und Verteidigung, was mittelfristig die Inlandsnachfrage stützen dürfte. Doch die Wirkung dieser Maßnahmen kommt spät – während die Zölle bereits zum Monatsende greifen.

In der Geldpolitik dürfte der Druck auf die EZB zunehmen. Das Protokoll der Ratssitzung vom März zeigt, dass einzelne Mitglieder eine Unterbrechung der Zinssenkungsserie in Betracht zogen. Doch die jüngsten Entwicklungen verschieben das Kalkül. Laut Andrew Kenningham von Capital Economics könnten die höheren Zölle nun den Ausschlag für weitere Lockerungsschritte geben – auch über den Juni hinaus.

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