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Allianz Global Investors öffnet ESG-Fonds für Verteidigungsindustrie


Allianz Global Investors (AGI) hebt wesentliche Investitionsausschlüsse für Verteidigungsgüter in ihren ESG-Fonds auf. Wie aus einer Mitteilung an Kunden vom 27. März hervorgeht, dürfen künftig auch militärische Ausrüstungen und Dienstleistungen sowie Aktivitäten im Zusammenhang mit Nuklearwaffen innerhalb des Nichtverbreitungsvertrags (Non-Proliferation Treaty, NPT) in vielen Fonds gehalten werden. Die Änderungen betreffen vor allem Publikumsfonds mit ESG-Label gemäß Artikel 8 der EU-Offenlegungsverordnung.
Damit reagiert AGI auf eine sicherheitspolitische Zeitenwende. In der Begründung heißt es: „Ein robuster Verteidigungssektor ist notwendig, um nationale und regionale Sicherheitsstrategien abzusichern und wirtschaftliche sowie gesellschaftliche Stabilität zu unterstützen.“ Der Schritt markiert eine Abkehr von früheren ESG-Grundsätzen, die verteidigungsnahe Unternehmen pauschal ausschlossen.
Inzwischen zeichnet sich eine europaweite Neujustierung der ESG-Investmentkriterien ab. Fondsmanager überdenken zunehmend ihre Ausschlusspolitiken, um geopolitischen Realitäten Rechnung zu tragen – insbesondere angesichts der militärischen Eskalation in der Ukraine und wachsender Spannungen mit den USA. Auch politische Entscheidungsträger signalisieren Rückendeckung für einen integrativeren Umgang mit sicherheitsrelevanten Branchen im ESG-Kontext.
Die Marktpotenziale sind beträchtlich. Laut Schätzungen von Morgan Stanley könnten ESG-Fonds mit Artikel-8- und Artikel-9-Status Kapitalzuflüsse von bis zu 119 Milliarden US-Dollar in die Luft- und Verteidigungsindustrie lenken. Eine solche Umlenkung institutioneller Mittel hätte Signalwirkung für ein Segment, das lange als ethisch nicht investierbar galt.
Bestimmte Waffenarten bleiben ausgeschlossen. AGI betont, dass Investitionen in geächtete Waffensysteme weiterhin tabu bleiben – dazu zählen Nuklearwaffen außerhalb des NPT, Streumunition, abgereichertes Uran sowie weißer Phosphor. Der neue Ansatz folgt damit einer differenzierten Risikoprüfung, die militärische Notwendigkeit und ethische Standards in Einklang bringen soll.
Mit dem Schritt reagiert AGI nicht nur auf politische Rahmenbedingungen, sondern auch auf einen ESG-Markt im Umbruch, in dem Glaubwürdigkeit zunehmend durch Realismus ersetzt wird.

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