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Brasiliens Chance im Zollchaos: China stockt auf, USA wird zur Alternativoption


Brasilianische Exporteure rechnen mit deutlichen Nachfrageimpulsen aus China, während die Handelskonflikte zwischen Washington und Peking eskalieren. Bereits vor Trumps Ankündigung neuer globaler Strafzölle am Mittwoch hatten chinesische Käufer nahezu den gesamten Sojabedarf für das erste Quartal aus Brasilien gedeckt – ein Anstieg gegenüber einem Anteil von 54 Prozent im Vorjahr. Der Preisaufschlag an brasilianischen Häfen schnellte binnen einer Woche um 70 Prozent auf 85 Cent pro Scheffel – das höchste Niveau seit drei Jahren.
Brasiliens Aktienmarkt profitiert: Der Bovespa-Index legte seit Jahresbeginn um neun Prozent zu – im Gegensatz zum S&P 500, der 4,2 Prozent verlor. Insbesondere Rohstoffkonzerne treiben die Rally. Auch bei Hühner- und Eierexporten zeigt sich der Effekt. Im Jahresvergleich stiegen sie um 9 beziehungsweise 20 Prozent. Brasilien profitiert dabei zusätzlich vom Ausbruch der Vogelgrippe in anderen Regionen – und von chinesischen Gegenzöllen auf US-Geflügel.
Die Handelsdynamik spiegelt eine strategisch gewachsene Partnerschaft. Seit China 2009 die USA als wichtigsten Handelspartner Brasiliens ablöste, flossen mehr als 70 Milliarden US-Dollar chinesischer Investitionen ins Land. Heute kontrollieren chinesische Unternehmen rund zehn Prozent der Stromversorgung, betreiben Häfen, Straßen und bauen Eisenbahnen wie die Fiol-Trasse ins Agrarzentrum des Landes. In São Paulo prägen chinesische Fahrzeuge längst das Stadtbild.
Auch Brasiliens Politik setzt auf Beijing: Präsident Luiz Inácio Lula da Silva machte beim jüngsten Japan-Besuch die Ablehnung protektionistischer Maßnahmen deutlich. Gemeinsam mit Premier Shigeru Ishiba einigte er sich auf eine Öffnung des japanischen Markts für brasilianisches Rindfleisch. In Washington verhandelt Brasilien derweil über Ausnahmen von US-Zöllen – bislang mit begrenztem Erfolg. Die Regierung in Brasília erwägt im Gegenzug, Digitalsteuern für US-Konzerne zu lockern.
Doch nicht nur China bietet Chancen: Brasilien sieht auch Spielräume in den USA selbst. Insbesondere die Schuhindustrie rechnet mit Exportzuwächsen, sollte der Marktanteil chinesischer Anbieter durch Zölle sinken. Als weltweit größter Schuhproduzent außerhalb Asiens und mit einem stabilen Zugang zu Rindsleder ist das Land gut positioniert. „Die USA sind schon heute unser wichtigster Exportmarkt“, sagt Haroldo Ferreira vom Industrieverband Abicalçados. „Ohne neue Zölle sehen wir dort weiteres Potenzial.“
Trotz eigener Belastungen – etwa durch US-Stahlzölle – könnte Brasilien erneut zu den Gewinnern globaler Handelsverwerfungen zählen. In der ersten Trump-Amtszeit hatte Peking als Reaktion auf US-Maßnahmen bereits vermehrt Soja, Getreide und Fleisch aus Lateinamerika bezogen. Derzeit spricht vieles dafür, dass sich dieses Muster wiederholt.

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