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China baut Mexiko zur Produktionsdrehscheibe aus – und umgeht so Trumps Zölle


Mehr als 135.000 neue Arbeitsplätze, über 12 Milliarden US-Dollar an Investitionen und rasant wachsende Industrieparks – Mexiko profitiert massiv vom Zollkonflikt zwischen den USA und China. Seit Beginn der Handelsstreitigkeiten unter Donald Trump haben Hunderte chinesische Firmen ihre Produktion in das Nachbarland der USA verlagert. Im Mittelpunkt steht dabei der zollfreie Zugang zum amerikanischen Markt im Rahmen des US-Mexiko-Kanada-Abkommens (USMCA).
Einer dieser Standorte ist der Industriepark Hofusan nahe Monterrey. Auf dem Gelände, doppelt so groß wie der New Yorker Central Park, sind bereits mehr als 20 chinesische Unternehmen ansässig. Weitere 20 sollen folgen, wie Parkleiter Cesar Santos bestätigt. Seit 2018 flossen dort rund 1,5 Milliarden US-Dollar an Investitionen, mit weiteren 500 Millionen bereits geplant.
Der Hintergrund: Die ersten Zölle gegen chinesische Importe unter Trump ab 2018 lösten eine massive Reorganisation der globalen Lieferketten aus. Statt Produktion nach China zurückzuverlagern, suchten viele US-Unternehmen nach Alternativen – und fanden diese in Mexiko. Für chinesische Zulieferer bedeutete das: Umzug gen Süden, häufig auf direkte Empfehlung ihrer US-Kunden.
So etwa Bethel Automotive Safety Systems. Das Unternehmen aus der Provinz Anhui beliefert General Motors, Ford und Stellantis – und betreibt seit 2023 ein Werk in Mexiko, das mittlerweile über 500 Arbeitsplätze geschaffen hat. Eine zweite, größere Produktionsstätte ist bereits im Bau.
Auch der Fußbodenhersteller Elegant Home-Tech oder der Autozulieferer Ningbo Xusheng folgten diesem Trend.Letzterer investierte nach Teslas angekündigter Gigafactory in Monterrey 276 Millionen Dollar in ein neues Werk, das 2024 in Betrieb gehen soll.
Insgesamt stiegen die chinesischen Direktinvestitionen in Mexiko zwischen 2018 und 2024 auf 12,3 Milliarden US-Dollar. Damit ist das Land heute Amerikas wichtigster Handelspartner, mit einem bilateralen Handelsvolumen von 840 Milliarden US-Dollar – mehr als zwischen den USA und China.
Doch der politische Gegenwind nimmt zu. Trump, inzwischen wieder im Wahlkampfmodus, will neue Strafzölle gegen Mexiko verhängen, um die chinesische Produktionsverlagerung zu unterbinden. Bereits bestehende und angekündigte Zölle auf Autos, Stahl und Aluminium könnten laut JP Morgan rund 3.125 Dollar pro Fahrzeug kosten.
US-Autozulieferer sind alarmiert. Eine 25-Prozent-Abgabe würde zahlreiche Geschäftsmodelle unprofitabel machen, warnt Dan Sharkey, Anwalt für Zulieferbetriebe in Detroit. Kaum ein Unternehmen denke derzeit ernsthaft daran, Produktion in die USA zurückzuholen – zu teuer, zu riskant, zu ungewiss.
Mexiko gerät dabei zunehmend zwischen die Fronten. Präsidentin Claudia Sheinbaum betont, dass ihr Land sich an die Regeln des USMCA hält und keine chinesischen Sondervorteile gewährt. Dennoch hat Mexiko laut Insidern etwa die Eröffnung eines BYD-Werks gestoppt – aus Rücksicht auf Washington.
Derweil wächst der Druck auf Washingtons eigene Strategie. Zwar ging der Anteil chinesischer Importe am US-Gesamthandel seit 2018 von 22 % auf 14 % zurück – doch das entstandene Vakuum füllen nun über Umwege auch wieder chinesische Hersteller.
„Viele meiner Mandanten reden über Zölle, aber sie können daran nichts ändern“, sagt Huo Pugang, Geschäftsführer einer Verpackungsfirma in Guadalajara. Die Alternative wäre oft: geringere Margen – oder der Rückzug vom US-Markt.
Trotz politischer Unsicherheit setzen viele chinesische Unternehmen ihre Expansion in Mexiko fort. Im Industriepark Hofusan sind neue Wohnanlagen und Restaurants für chinesische Fachkräfte bereits in Bau. Die Nachfrage übersteigt das Angebot.
„Alles, was Sie hier sehen, wird in einem Jahr voller Fabriken sein“, sagt Hofusan-Chef Santos. Die Fläche ist bereits verkauft.

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