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London unter Druck: Trumps Strafzölle treffen britische Schlüsselindustrien – Starmer setzt auf Konzessionen für US-Tech


Mit der Einführung neuer US-Strafzölle am sogenannten „Liberation Day“ durch Präsident Donald Trump steht Großbritannien vor einem massiven wirtschaftspolitischen Dilemma. Premierminister Keir Starmer musste seinem Kabinett eingestehen, dass sämtliche Versuche gescheitert sind, Sonderkonditionen für britische Exporte auszuhandeln. Die Folgen treffen insbesondere zwei Sektoren mit voller Wucht: die Automobilbranche und die Stahlindustrie.
Für die Autoindustrie, mit einem Exportvolumen von 6,4 Milliarden Pfund das wichtigste britische Exportgut in die USA, bedeutet der 25-Prozent-Zoll auf Fahrzeuge einen empfindlichen Rückschlag. Marken wie Aston Martin, Jaguar und Land Rover geraten unter Druck. Bei kleineren Herstellern wie Ineos Automotive, die bis zu 60 Prozent ihrer Produktion in die Vereinigten Staaten liefern, geht es laut Geschäftsführerin Lynn Calder schlicht ums Überleben.
Auch British Steel sieht seine Existenz bedroht. Das Unternehmen, das das letzte konventionelle Hochofenwerk Großbritanniens betreibt, kündigte an, den Standort Scunthorpe mit 2700 Arbeitsplätzen zu schließen – unter anderem als direkte Reaktion auf die neuen US-Zölle auf Stahlimporte.
Trotz dieser realwirtschaftlichen Risiken setzt die Regierung in London vorerst nicht auf Gegenzölle. Stattdessen sondiert man die Möglichkeit eines bilateralen Wirtschaftsabkommens. Der ehemalige EU-Handelskommissar Peter Mandelson, inzwischen britischer Botschafter in Washington, versucht, im Austausch für Erleichterungen bei den Zöllen einen erweiterten Marktzugang für US-Techfirmen zu verhandeln. Als mögliches Entgegenkommen gilt die Abschaffung der Digitalsteuer für Konzerne wie Amazon, Apple und Google.
Gleichzeitig gerät die Regierung innenpolitisch unter Druck. Das Office for Budget Responsibility warnt vor einem Rückgang des ohnehin schwachen britischen BIP-Wachstums um bis zu einen Prozentpunkt infolge der Zölle. Angesichts bereits angekündigter Einschnitte im Sozialhaushalt wird der Verdacht laut, dass Starmer mit wirtschaftspolitischen Zugeständnissen an die USA versucht, Steuererhöhungen im Herbst zu vermeiden.
Die konservative Opposition spricht von einem „Hammerschlag gegen die britische Wirtschaft“. Liberaldemokraten fordern eine koordinierte Antwort mit der EU und Kanada und drohen offen mit Vergeltungszöllen auf Tesla-Fahrzeuge.
In Brüssel wird genau beobachtet, ob Starmer sich dauerhaft als Mittler zwischen EU und USA positioniert oder zum bloßen Erfüllungsgehilfen amerikanischer Interessen wird. EU-Diplomaten erwarten zumindest ein klares Bekenntnis gegen Trumps unilaterale Zollpolitik – bislang bleibt dieses jedoch aus.

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