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Siemens kauft erneut in den USA zu – Softwareanteil soll deutlich steigen


Nur eine Woche nach Abschluss der zehn Milliarden Dollar schweren Altair-Übernahme tätigt Siemens den nächsten großen Softwaredeal in den USA. Der Münchener Technologiekonzern kauft das auf Pharmasoftware spezialisierte Unternehmen Dotmatics für 5,1 Milliarden Dollar. Die Transaktion soll im Winter 2025/26 abgeschlossen werden. Zur Finanzierung greift Siemens erneut auf die Veräußerung börsennotierter Beteiligungen zurück, vor allem an der Tochter Siemens Healthineers. Die entsprechende Ankündigung kam am Mittwochabend von Finanzvorstand Ralf Thomas.
Die Akquisition ist Teil der langfristig ausgerichteten Wachstumsinitiative One Tech Company. Ziel sei es, die Industriesoftware gezielt auszubauen, sagte CEO Roland Busch. Dotmatics erweitert das Portfolio in Richtung forschungsnaher Anwendungen in der Gesundheitsbranche – ein Segment, das bislang außerhalb des Kerngeschäfts lag. Für Siemens bedeutet der Schritt auch eine Diversifizierung weg von der stark konjunkturabhängigen Automobilindustrie, deren Schwäche bereits zu Stellenabbau in der Sparte Digital Industries geführt hatte.
Die jüngste Einkaufstour unterstreicht die Verschiebung hin zu margenstarken digitalen Geschäftsmodellen. Der Softwareumsatz von Siemens stieg im abgelaufenen Geschäftsjahr 2023/24 von 7,3 auf neun Milliarden Euro – etwa zwölf Prozent des Gesamtumsatzes. Dieser Anteil soll sich mittelfristig verdoppeln. Siemens hat in den letzten 15 Jahren bereits über 35 Softwarefirmen übernommen. Doch anders als früher geht es jetzt nicht nur um Portfolioergänzung, sondern um strategische Neuausrichtung.
Finanziell zeigt sich der DAX-Konzern trotz wachsender Verschuldung gut aufgestellt. Der Rekordgewinn von neun Milliarden Euro im letzten Geschäftsjahr steht einer Nettoverschuldung von 9,4 Milliarden Euro gegenüber – mit einem Verhältnis zum operativen Ergebnis von 0,7 weiterhin klar unter dem definierten Grenzwert von 1,5.
Die Integration der US-Zukäufe dürfte anspruchsvoll werden. Branchenbeobachter verweisen darauf, dass gerade kulturelle Unterschiede und die Breite der neu erschlossenen Geschäftsfelder das Integrationsrisiko erhöhen. Siemens müsse nun zeigen, dass die Umsetzung ebenso robust erfolgt wie die strategische Planung.
An der Börse wächst unterdessen der Druck auf die Konzernführung, auch strukturell nachzulegen. Die Beteiligung an Healthineers steht zur Disposition, über die Zugsparte Mobility wird immer wieder spekuliert. CFO Thomas bekräftigte zuletzt, Siemens wolle an Mobility festhalten. Eine grundsätzliche Entscheidung zur Portfolioausrichtung wird der Konzern auf dem Kapitalmarkttag im Dezember vorstellen. Dann soll die mittelfristige Strategie konkretisiert und neue Finanzziele bekanntgegeben werden.

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