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Wall Street kehrt Klimazielen den Rücken – Trumps Energiepolitik treibt Banken zurück zu Öl und Gas

Die Wende ist abrupt: Innerhalb weniger Monate hat sich die Tonlage an der Wall Street fundamental verändert. Noch 2021 präsentierten sich US-Großbanken auf Klimagipfeln als Wegbereiter der Energiewende – heute diskutieren dieselben Institute über die Rücknahme interner Beschränkungen für fossile Großprojekte. Auslöser ist die Wiederwahl von Donald Trump, dessen energiepolitische Agenda fossile Energieträger aktiv fördert.

Goldman Sachs, JPMorgan, Morgan Stanley und andere Schwergewichte des US-Finanzsektors haben inzwischen ihren Rückzug aus der Net-Zero Banking Alliance (NZBA) verkündet. Die Allianz, die ursprünglich das Ziel einer maximalen globalen Erwärmung von 1,5 Grad Celsius propagierte, verliert damit nicht nur Mitglieder, sondern auch an Relevanz. Kanada, Japan und Australien folgten dem US-Beispiel – ein Dominoeffekt mit globaler Tragweite.

Im Hintergrund laufen konkrete Neuausrichtungen: Bei Wells Fargo etwa gibt es laut internen Quellen Überlegungen, wieder Kredite für Projekte im Arctic National Wildlife Refuge zu genehmigen – ein Areal, das seit 2020 aus ökologischen Gründen für Finanzierungen gesperrt war. Auch BNP Paribas meldet, dass US-Banken zunehmend Interesse an fossilen Assets zeigen, von denen sich europäische Institute trennen wollen.

Trumps geplantes „Fair Access to Banking Act“ dürfte die Dynamik weiter verstärken. Es würde Banken zwingen, diskriminierungsfrei Kredit zu vergeben – auch an Branchen wie Kohlebergbau oder Ölsandextraktion. Branchenkenner erwarten, dass sich Banken künftig stärker rechtfertigen müssen, wenn sie Finanzierungen ablehnen – unabhängig von ESG-Kriterien.

Doch die Abkehr von der Transformation hat auch unmittelbare Folgen für das Klimaziel. Laut Daten von BloombergNEF müsste das Verhältnis von grüner zu fossiler Finanzierung 4:1 betragen, um die 1,5-Grad-Marke einzuhalten. Der aktuelle Wert liegt bei nur 0,89:1. Im vergangenen Jahr flossen weltweit rund 730 Milliarden Dollar in CO₂-intensive Industrien – mehr als in grüne Projekte.

Zugleich offenbart sich die ökonomische Kälte der Entscheidung: Banken sichern sich mit fossilen Engagements kurzfristige Margen, gewinnen öffentliche Aufträge zurück – etwa in Texas – und entgehen Untersuchungen wie zuletzt im Fall Wells Fargo, das kurz nach dem Rückzug aus der NZBA eine Untersuchung in Tennessee eingestellt sah.

In Europa hingegen formiert sich vorsichtiger Widerstand. Auf einem internen NZBA-Call Anfang Januar pochte ein Vertreter der Deutschen Bank auf die moralische Verantwortung europäischer Institute. HSBC signalisierte unterdessen Gesprächsbedarf – sogar über eine mögliche Lockerung der 1,5-Grad-Verpflichtung.

Für Klimaökonomen wie Tim Lenton von der Universität Exeter ist das ein alarmierendes Signal: „Wenn Finanzmärkte die Verantwortung von sich weisen, bleibt niemand mehr, der die Transformation treibt.“ Catherine McKenna, ehemalige Umweltministerin Kanadas, nennt es schlicht „kollektiven Wahnsinn“, sich angesichts eskalierender Klimarisiken von wissenschaftlich fundierten Zielmarken zu verabschieden.

Doch auf den Finanzmärkten zählt letztlich Rendite, nicht Rhetorik. „Moral bewegt keine Märkte – nur der Preis tut das“, fasst Karl Pettersen, Ex-CSO bei Société Générale, das Dilemma zusammen. Für viele Wall-Street-Banken gilt: Wenn Net Zero keinen messbaren Mehrwert mehr bringt, wird die Strategie gewechselt.

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