Ticker
Zölle um jeden Preis – Wie Trumps Handelsagenda das Weiße Haus spaltet und die Märkte erschüttert


Zwischen politischem Instinkt und wirtschaftlicher Realität rang das Weiße Haus bis zuletzt um die Form von Trumps „Befreiungsschlag“. Herausgekommen ist ein Hybridmodell: eine universelle Importabgabe von 10 % kombiniert mit länderspezifischen Strafzöllen – je nach Handelsbilanz. China wird mit insgesamt 54 % belegt, die EU mit 20 %, Japan mit 24 %. Kanada und Mexiko bleiben weitgehend ausgenommen, sofern ihre Exporte unter das bestehende USMCA-Abkommen fallen. Die Maßnahme tritt am 9. April in Kraft.
Hinter den Kulissen lieferten sich Berater einen wochenlangen Schlagabtausch. Wirtschaftsexperten wie Kevin Hassett und Handelsminister Howard Lutnick warben für ein „reziprokes“ Modell mit gezielter Sanktionswirkung. Andere plädierten für pauschale Zölle, um Schlupflöcher zu vermeiden. Trump gefiel beides – und entschied sich für beides. Das finale Konzept wurde erst 48 Stunden vor dem öffentlichen Auftritt beschlossen. Am Dienstag arbeiteten Mitarbeiter des US Trade Representative noch an alternativen Szenarien mit milderem Zuschnitt.
Der Markt reagierte schockiert. Drei Billionen Dollar an Börsenwert wurden ausgelöscht, der Dow verlor 1679 Punkte. Im Weißen Haus wurde das als Kollateralschaden einkalkuliert. Ein hochrangiger Mitarbeiter bemerkte lakonisch: „Wir liegen nur 3 % im Minus.“ Trump selbst zeigte sich unbeeindruckt: „Die Märkte werden boomen“, sagte er. Weitere Zölle auf Pharmazeutika und Halbleiter seien in Planung.
Doch selbst im engsten Umfeld gab es Zweifel. Strategen warnten, überzogene Maßnahmen könnten den wirtschaftlichen Spielraum dauerhaft beschädigen. Das 10 %-Basismodell war ursprünglich mit 20 % angedacht – offenbar ein Kompromiss auf Druck von Industrie, Gewerkschaften und republikanischen Abgeordneten. Für besonders schutzbedürftige Branchen wie Stahl und Automobile gelten weiterhin separate, bestehende Tarife.
Der operative Ablauf der Entscheidung offenbarte das Spannungsfeld. Trumps Wunsch nach maximaler Symbolik traf auf interne Ermüdung. „Die meisten im Weißen Haus sind die Zölle leid“, sagte ein Beamter. Ziel sei es, die Kommunikation bald auf Steuersenkungen umzustellen. Der Versuch, über Parteigrenzen hinweg Unterstützung zu finden, misslang. Noch während der Rose-Garden-Zeremonie tagte die National Foreign Trade Council – mit parteiübergreifendem Protest. „Zölle sind Steuern“, so Susan Schwab, ehemalige Handelsbeauftragte unter George W. Bush.
Am Donnerstag folgte politischer Widerstand im Kongress: Senatoren beider Parteien forderten, künftige Zölle nur noch mit Zustimmung des Parlaments zuzulassen. Chuck Grassley, republikanischer Landwirtschaftssenator aus Iowa, kritisierte: „Seit Jahren gibt der Kongress seine Handelshoheit ab – damit muss Schluss sein.“ Das Weiße Haus erreichte unterdessen eine Flut besorgter Anrufe aus der Wirtschaft.
Selbst eingeladene CEOs wie Barry Zekelman reisten nach Washington, ohne vorab zu wissen, was genau verkündet werden sollte. Nach innen ist man bereit, „das Blutbad von Donnerstag durchzustehen“, wie es ein hochrangiger Mitarbeiter formulierte. Außen aber wächst die Zahl derer, die Trumps wirtschaftspolitische Autarkie nicht mehr als Stärke, sondern als Risiko begreifen.

Bei Nachrichten von Eulerpool handelt es sich um extern erstellte Tickermeldungen. Ihre Einbettung erfolgt automatisch. Sie werden von uns nicht überprüft oder bearbeitet.
