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Novo Nordisk startet Abnehmrevolution in Tablettenform – FDA-Zulassung sorgt für Kurssprung

FDA gibt grünes Licht für neue Abnehmpille
Der dänische Pharmakonzern Novo Nordisk hat in den USA einen wichtigen regulatorischen Durchbruch erzielt. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat einer neuen Tablette zur Gewichtsreduktion die Zulassung erteilt. Der Marktstart ist für Anfang Januar geplant.
Die Reaktion an der Börse fiel deutlich aus: Die Novo-Nordisk-Aktie sprang nach der Bekanntgabe um rund acht Prozent nach oben und setzte ihren Anstieg fort. Die Papiere des US-Konkurrenten Eli Lilly gaben vorbörslich dagegen leicht nach.
Bekannter Wirkstoff, neue Darreichung
Die neue Pille enthält denselben Wirkstoff wie die erfolgreiche Abnehmspritze Wegovy. Für Novo Nordisk ist das mehr als nur eine Produktvariante: Das Unternehmen will damit verlorene Marktanteile zurückerobern. Eli Lilly arbeitet ebenfalls an einer Abnehmpille, deren Zulassung wird jedoch frühestens im März erwartet – Novo verschafft sich damit einen Vorsprung von einigen Monaten.
Ob dieser zeitliche Vorteil ausreicht, ist allerdings offen.
Wann kommt die Abnehmpille nach Europa?
Für europäische Patienten heißt es noch warten. Analysten gehen davon aus, dass die Tablette frühestens Ende 2026 oder Anfang 2027 in Europa verfügbar sein könnte. Der Zulassungsantrag bei der Europäische Arzneimittelagentur wurde von Novo Nordisk in der zweiten Jahreshälfte 2025 eingereicht.
Komfort als größter Pluspunkt
Der wichtigste Vorteil der Tablette liegt in ihrer einfachen Anwendung. Statt einer wöchentlichen Injektion genügt eine tägliche Einnahme. Zudem entfällt die Kühlpflicht, was Transport und Lagerung deutlich erleichtert. Auch die Fehleranfälligkeit ist geringer als bei Spritzen.
In Studien zeigte sich allerdings: Die Pille wirkt etwas schwächer als die Wegovy-Spritze. Im Vergleich zu Eli Lillys Konkurrenzprodukt erzielte Novo jedoch einen etwas höheren durchschnittlichen Gewichtsverlust. In klinischen Tests verloren Patienten im Mittel rund 16,6 Prozent ihres Körpergewichts.
Einschränkungen bei der Einnahme
Ganz ohne Nachteile kommt die neue Darreichungsform nicht aus. Die Tablette muss nüchtern eingenommen werden, da ihre Wirksamkeit sonst sinkt. Zudem gilt sie als aufwendiger in der Herstellung als Lillys Pille, die unabhängig von Mahlzeiten eingenommen werden kann.
Analysten, unter anderem von Bernstein, gehen davon aus, dass viele Patienten langfristig die einfachere Einnahme bevorzugen könnten – ein möglicher Vorteil für Eli Lilly.
Zielgruppe: Mehr als nur Neueinsteiger
Novo Nordisk richtet sich mit der Abnehmpille nicht ausschließlich an neue Patienten. Das Medikament soll auch für Menschen interessant sein, die von der Spritze auf eine Tablette wechseln möchten oder ihr Gewicht nach einer Injektions-Therapie stabilisieren wollen.
Preislich unter den Spritzen
In den USA soll die monatliche Einstiegsdosis der Abnehmpillen bei 149 US-Dollar liegen – und damit unter den bisherigen Preisen für Spritzen. Für höhere Dosierungen verlangt Eli Lilly bis zu 399 Dollar pro Monat. Novo Nordisk will konkrete Preise für höhere Dosierungen erst kurz vor dem Marktstart bekannt geben.
Ein Milliardenmarkt mit Wachstumspotenzial
Der Markt für Medikamente gegen Übergewicht dürfte sich in den kommenden Jahren rasant entwickeln. Schätzungen zufolge könnte das weltweite Volumen bis 2030 auf bis zu 150 Milliarden US-Dollar anwachsen. Tabletten allein könnten mittelfristig rund 30 Milliarden Dollar ausmachen.
Experten rechnen nicht damit, dass Pillen die Spritzen vollständig verdrängen. Vielmehr dürften sie zusätzliche Patientengruppen erschließen und den Gesamtmarkt vergrößern.
Wer gewinnt den Wettbewerb?
Kurzfristig verschafft die FDA-Zulassung Novo Nordisk einen Vorsprung. Langfristig sehen viele Analysten jedoch Vorteile bei Eli Lilly. Erwartet wird, dass Lilly mittelfristig rund 75 Prozent Marktanteil erreichen könnte, während Novo Nordisk etwa ein Viertel des Marktes besetzt.
An der Börse spiegelt sich diese Einschätzung bereits wider: Eli Lilly gehört inzwischen zu den wenigen Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von über einer Billion US-Dollar. Novo Nordisk kommt aktuell auf rund 213 Milliarden Dollar – und hat seit Jahresbeginn etwa die Hälfte seines Börsenwerts verloren.
Strategiewechsel mit Langzeitfolgen
Abnehmpillen lassen sich günstiger produzieren und leichter skalieren als Injektionspräparate. Sie ähneln damit eher einem Massenprodukt als einem klassischen Spezialmedikament. Langfristig halten Analysten sogar eine rezeptfreie Abgabe für denkbar.
Sowohl Novo Nordisk als auch Eli Lilly investieren bereits stark in Telemedizin und Direktvertrieb. Die FDA-Zulassung markiert damit nicht nur einen Produkterfolg – sondern den Beginn einer neuen Phase im milliardenschweren Markt für Abnehmmedikamente.
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