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© Celine Nadolny

Meinung

Buchtipp: WARUM ANDERE AUF IHRE KOSTEN IMMER REICHER WERDEN von Andreas Marquart und Philipp Bagus

WARUM ANDERE AUF IHRE KOSTEN IMMER REICHER WERDEN von Andreas Marquart und Philipp Bagus hat einen zugegebenermaßen sehr reißerischen Titel. Dabei ist das Buch sehr sachlich geschrieben und wissenschaftlich untermauert. Die beiden Autoren gehen dezidiert auf unsere aktuelle Situation ein und werden den einen oder die andere mit Sicherheit wachrütteln.

Wer unser Geld- und Finanzsystem wirklich verstehen will, dem empfehle ich dieses Buch uneingeschränkt. Es ist leicht und kurzweilig geschrieben und die Aussagen fußen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen anstatt auf Verschwörungstheorien, wie man sie bei einschlägigen Krisenpropheten und Krisenprophetinnen vorfindet.

Die Autoren gehen nicht nur auf die Frage im Buchtitel ein. Sie gehen auch der untergeordneten Frage nach, ob wirklich die „gierigen“ Banken an der Finanzkrise und der zunehmenden wirtschaftlichen Ungleichheit in unserem Land schuld sind. Ob die Banken tatsächlich so mächtig sind oder ob es nicht eventuell eine viel mächtigere Institution gibt. Unter Umständen ein staatsmonopolitisches Geldsystem.

Die Frage nach den Auswirkungen unseres Geldsystems

In einer Zeit, in der die Vermögensverteilung zu einer der brisantesten gesellschaftlichen Fragestellungen geworden ist, richten die Autoren ihr Augenmerk auf die wohl essenziellste aller Fragen. Eine Frage, die seit John Maynard Keynes definitiv keine der politischen Parteien, stellen würde: Die Frage nach den Auswirkungen unseres Geldsystems.

„Den wenigsten Bürgern ist wirklich klar, in welchem unvorstellbaren Ausmaß sie seit Generationen durch die Kombination von progressiver Einkommenssteuer und Inflation ausgebeutet und der Früchte ihrer Arbeit beraubt werden.“ Roland Baader

Frappierend ist, dass dieses staatliche Geldmonopol und die Praktiken nach John Maynard Keynes gerade einmal von wenigen Anhängern der österreichischen Schule nach Ludwig von Mises, den letzten verschollenen Anhängern von Adam Smith und der Kryptowährungscommunity in Frage gestellt werden. Die meisten anderen ziehen scheinbar gar nicht in Betracht, dass dies einen signifikanten Einfluss haben könnte. Oder sie halten das System für gottgegeben und alternativlos.

„Wenn unser Geld in der Obhut des Staates gut aufgehoben ist, warum verliert es dann immer mehr von seiner Kaufkraft?“ Andreas Marquart und Philipp Bagus

Dieses Buch klärt die Leser über die wahre Ursache einer Reihe wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Phänomene auf. Diese werden uns so lange begleiten, wie wir uns noch dem aktuellen Geldsozialismus unterwerfen.

WARUM ANDERE AUF IHRE KOSTEN IMMER REICHER WERDEN von Andreas Marquart und Philipp Bagus.

Diese Fragen beantwortet das Buch

Hast du dir schon mal folgende Fragen gestellt:

  • Warum darf die EZB immerzu neues Geld drucken?
  • Weshalb erlaubt es der Staat den Banken – im Übrigen auch deiner Sparkassenfiliale um die Ecke – Geld in Form von Krediten aus dem Nichts zu erschaffen?
  • Warum darf das Geld verliehen werden, das du auf deinem Girokonto oder Tagesgeldkonto liegen hast? Du brauchst es doch eventuell bald wieder.
  • Und wenn das Geld verliehen ist, warum steht es dann immer noch bei dir auf dem Konto?
  • Was passiert mit dir, wenn du Geld druckst?

Genau diese Fragen werden in diesem Buch beantwortet und machen es damit so spannend. Dabei werden die wissenschaftlichen Erkenntnisse den Lesern ganz entspannt und mundgerecht mittels Geschichten vermittelt.

Die Lehren von Ludwig von Mises

Aber dieses Buch ist mit Sicherheit keine Hetzschrift gegen die vermeintlich bösen Reichen und Unternehmer, die ihre armen Arbeitnehmer ausbeuten und die man mit Gesetzen zwingen muss, höhere Löhne oder Mindestlöhne zu zahlen. Denn diesem Buch liegen die Lehren von Ludwig von Mises (1881-1973) zugrunde. Dieser hat damals wahrscheinlich intensiver als viele andere die Lehre vom menschlichen Handeln gründlich erforscht und in seinem Werk Nationalökonomie „Theorie des menschlichen Handelns und Wirtschaftens“ veröffentlicht. Das macht ihn zu einem der wohl bedeutendsten Ökonomen und Ökonominnen des 20. Jahrhunderts. 

Damit vertritt er aber eine konträre Auffassung der optimalen Wirtschaftsgestaltung im Vergleich zur vorherrschenden. Denn er war Hauptdenker der Österreichischen Schule der Nationalökonomie, die heutzutage in unseren Universitäten und Schulen höchstens in Exkursen gelehrt wird. Ich selbst habe mitbekommen, wie eine Kommilitonin ihre Abschlussarbeit über die Österreichische Schule der Nationalökonomie schreiben wollte und ein Professor für VWL damit nichts anzufangen wusste. Erst nach ausgiebigen Erläuterungen ihrerseits lehnte er deutlich abgeneigt ab, dieses Thema zu begleiten.

„Wer sich für Wirtschaft interessiert, diese Theorie aber noch nicht kannte, dem kann ich dieses Buch nur wärmstens empfehlen.“

Es ist sehr kompakt und die Inhalte sind in eine schöne Geschichte gehüllt. Anders als die oben zitierte Primärquelle von Ludwig von Mises.

Zentrale Erkenntnis von Ludwig von Mises: „Das Streben nach mehr Geld oder genauer nach mehr Wohlstand kann man niemanden zum Vorwurf machen, es ist einfach nur menschlich. Wäre dem Menschen ein solches Verhalten nicht angeboren, würden wir wahrscheinlich heute noch in Höhlen leben.“ Im Jahr 1974 bekam Mises‘ Schüler Friedrich von Hayek für seine „österreichische Geld- und Konjunktur Theorie“ sogar den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften verliehen.

Natürlich gibt es immer Menschen, die dabei rücksichtlos vorgehen. Doch solche Menschen gab es schon immer und wird es wohl auch immer geben. Besonders rücksichtslos und heimtückisch ist es jedoch, sich durch das Ausnutzen des Geldmonopols auf Kosten der Allgemeinheit zu bereichern.

„Die Geschichte des staatlichen Umgangs mit Geld ist eine Geschichte von unablässigem Lug und Betrug.“ Friedrich August von Hayek

Kritik und Fazit

Was mir dagegen gar nicht an diesem Buch gefällt:

Die Einleitung. Sie ist sehr reißerisch geschrieben und trägt bereits den Titel: „Warum dieses Buch explosiver als Sprengstoff ist.“ Dieses Kapitel in der Form von Absätzen wie „wollen sie wirklich weiterlesen“ hätten die Autoren nicht nötig gehabt.

Mein Fazit zum Buch:

„Ich bin unglaublich dankbar, dass ich dieses Buch gefunden habe.“

Denn nachdem ich nun bereits seit einigen Semestern Wirtschaft studiere, eine Schwester mit einem abgeschlossenen VWL-Studium und einen Freund kurz vor seiner Promotion habe, war dies mein erster Kontakt mit dieser Theorie.

In der ganzen Zeit habe ich nichts von diesen Lehren gehört. Ich habe das Gefühl, dass dieses Thema bewusst totgeschwiegen werden soll. Dabei ist die Faktenlage eindeutig. Für mich ist es insbesondere deswegen ein absolutes Must-Read-Buch für alle politisch Interessierten, Wirtschaftsstudierenden und eigentlich auch alle anderen. Man wird sanft an die Materie herangeführt, alles ist nachvollziehbar und überprüfbar. Vor allem Leser einschlägiger Crashpropheten treffen hier endlich auf fundierte Analysen.

Seit Sie denken kann liest Celine Nadolny alles, was sie zwischen die Finger kriegen kann. Ihr Wissen erweitert sie zudem noch durch ihr duales Studium zum B.A. in Business Administration. Für das GEWINNERmagazin checkt sie regelmäßig neue Bücher im Bereich Finanzen.

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