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© Celine Nadolny

Meinung

Buchtipp: DU HAST DEN JOB von Urte Hotje

DU HAST DEN JOB von Urte Hotje ist ein sauber aufbereiteter, kompakter und interaktiver Ratgeber rund um das Thema Bewerbung. Dabei rückt die Autorin dich als Bewerber:in in den Vordergrund und möchte dir dabei helfen, mithilfe von gezieltem Personal Branding aus der Masse hervorzustechen. Das Buch richtet sich meines Erachtens nach insbesondere an komplette Einsteiger:innen, die mit dieser Lektüre zweifelsohne Schritt für Schritt an die Hand genommen werden.

Dabei geht es nicht nur darum, die eigenen Stärken, Werte und Antriebe herauszufinden, um aus sich selbst eine Marke zu kreieren. Es werden auch allgemeine Bewerbungstipps in Anlehnung an das eigene Wunsch- und Wertegerüst vermittelt. So bekommen wir kurze Einblicke in Jobportale, den Umgang und die Interessen von Headhunter:innen, die Bewerbungsunterlagen sowie das finale Gespräch.

Die Konkurrenz unter Bewerbern wird immer größer

Fakt ist, auf manche Stellen – insbesondere die seltenen und begehrten – bewerben sich heute gut und gerne hunderte, wenn nicht sogar tausende Kandidat:innen. Insbesondere direkt nach der Schule oder Universität, aber auch auf attraktive Professional-Stellen kommt schnell eine nicht zu verachtende Konkurrenz zusammen. Dabei haben wir nur wenige Augenblicke, um Personaler:innen und Entscheider:innen von uns zu überzeugen. Und da zählen nicht nur unsere Qualifikationen, sondern wir als Person und der erste Eindruck, den wir sowohl mit unseren eingereichten Unterlagen als auch mit unserem ersten Auftritt vermitteln.

Urte Hotje hilft uns genau dabei. Aber nicht in der Absicht, eine gestellte Version deiner Selbst zu kreieren und damit höhere Chancen zu erzielen. Vielmehr versucht sie aus uns herauszulocken, was wirklich in uns steckt und unterstützt dann dabei, das bestmöglich herauszuarbeiten und für alle Beteiligten sichtbar zu machen. Es geht um die gezielte Selbstvermarktung über den kompletten Bewerbungsprozess hinweg.

Über das gesamte Werk verteilt bekommen wir genau zu diesen Themen viele Fallbeispiele und teilweise komplett vorformulierte Texte und Anleitungen. Als Bewerbungsexpertin und Karrierecoach ist Urte Hotje dabei aber eben keine der typischen Vertreter:innen zu diesem Thema. Denn die allermeisten Publikationen in dem Bereich sind nicht einmal ansatzweise so sauber aufgearbeitet.

Nicht nur für Berufseinsteiger relevant

Relevant ist oder wird dieses Thema aber nicht nur für Schüler:innen und Student:innen, die kurz vor ihrem Abschluss stehen oder auf der Suche nach einem sinnvollen Praktikum sind. Vielmehr hat das Konzept von einem einzigen Arbeitgeber für das gesamte Berufsleben in weiten Teilen ausgedient. „Dies wird in der nahen Zukunft nicht mehr realistisch sein, nimmt doch die Häufigkeit der Arbeitsplatzwechsel aufgrund der sich ändernden Arbeitswelt für Arbeitnehmer rasant zu. Dies bringt eine höhere Fluktuation, potenzielle Wechsel in andere Branchen und die Notwendigkeit mit sich, sich als Arbeitnehmer immer wieder neu bewerben und auf dem Arbeitsmarkt behaupten zu müssen.“ Urte Hotje

Buchtipp: DU HAST DEN JOB von Urte Hotje.

So müssen viele von uns sich zwangsläufig irgendwann mit dem Thema Bewerbung auseinandersetzen. Vor allem für höherwertige Stellen und mit zunehmender Arbeitserfahrung reicht dafür nicht mehr nur die Auflistung der eigenen Qualifikationen und Abschlüsse aus. Vielmehr gilt es, sich selbst als Gesamtpaket bestmöglich in Szene zu setzen und den Entscheider:innen zu präsentieren.

Personal Branding

Personal Branding bezeichnet in dem Zusammenhang schlichtweg, dass wir lernen, uns klar zu positionieren und zu präsentieren: Wer sind wir? Was macht uns aus? Was macht uns besonders? In der Konkurrenz um einen begehrten Job sollten wir ein klares, authentisches und unverwechselbares Bild von uns selbst zeichnen. Dabei geht es aber klipp und klar nicht darum, ein Scheinselbst aufzubauen und dieses zu verkaufen, sondern schlicht das eigene Licht nicht unter den Scheffel zu stellen und sich der eigenen Stärken und Potenziale bewusst zu werden, aber auch Werte und Wünsche zu artikulieren. Und im Idealfall führt exakt diese klare und spitze Positionierung dazu, dass wir zur perfekten Besetzung für unsere Traumstelle werden.

„Wir leben in einer von Marken dominierten Welt. Es gibt kaum einen Bereich des täglichen Lebens, in dem Marken keine Rolle spielen. Wie du deine ganz individuelle Marke entwickeln kannst, werden wir in diesem Buch Schritt für Schritt durchspielen. Das Zauberwort hierzu heißt Personal Branding.“ Urte Hotje

Die eigene Marke sauber kommunizieren

Im ersten Moment klingt das komplizierter als es im Kern ist. Denn dahinter steckt lediglich die Idee, sich selbst zu klarzumachen, wer man ist, was man gerne macht, was einen ausmacht. Vor allem einzigartige Verhaltens- und Wertemuster, Eigenheiten und all das, wofür man selbst stehen möchte, gilt es in einer Marke zu verpacken und diese sauber zu kommunizieren.

„Ob Christiano Ronaldo, Donald Trump oder die junge Sängerin Billie Eilish: Sie alle sind Marken, sind unverwechselbar und stehen für ihren ganz eigenen Stil in Sport, Politik und Musik – ob man diesen nun mag und sympathisch findet oder nicht.“ Urte Hotje

„Personal Branding funktioniert auch bei uns Otto-Normal-Menschen. Denn jeder Mensch verfügt über ein einzigartiges Set an Eigenschaften, Fähigkeiten und Erfahrungen. Die Kunst besteht darin, diese Kombination greifbar, erfahrbar zu machen und daraus eine klare Markenbotschaft abzuleiten.

Auf den Bewerbungsprozess übertragen bedeutet dies einen bedeutsamen Paradigmenwechsel: Es geht heute nicht mehr darum, nur eine bestimmte Funktion wie beispielsweise die des Projektmanagers auszufüllen. Es geht darum, dich als einmaliges Gesamtpaket zu präsentieren.

Für deine Bewerbungsunterlagen bedeutet dies, dass nicht mehr nur die formal korrekte Form ausschlaggebend ist, sie sind als Marketingbroschüre deiner eigenen Marke zu verstehen.“ Urte Hotje

Unseren Vorstellungen vom Leben bewusst werden

In den unterschiedlichen Kapiteln des recht knappen Einsteigerbuches widmet sich die Autorin folgenden konkreten Fragestellungen, die für die Leser:innen anhand von Übungen, Reflexionen und Beispielen sukzessive aufgearbeitet werden:

1. Wer bist du?

2. Wofür stehst du?

3. Was ist deine Marke?

4. Wer ist deine Zielgruppe?

5. Wie kommunizierst du?

Dabei ist es das Ziel der Autorin, dass wir nach dem Buch wissen, wie wir uns unser Leben vorstellen und was uns vor allem in Bezug auf unsere Arbeit wichtig ist. Wir sollten ein klareres Bild davon vor Augen haben, welche Herausforderungen nun vor uns stehen, was uns einzigartig macht und was wir mit unserem Leben anfangen wollen. Du solltest auch deine Marke bereits definiert haben und die verschiedenen Kanäle kennen, auf denen du deine Traumstelle finden kannst.

Fazit

Am Ende ist es zweifelsohne ein gutes Einsteigerbuch. Für Fortgeschrittene wird sich vieles doppeln, aber dennoch hält dieses Buch noch ein paar Besonderheiten parat. Es ist allerdings ein klares Arbeitsbuch. Wenn du nicht bereit bist, dich auf die Übungen einzulassen und an sowas keinen Gefallen findest, dann wirst du mit diesem Buch nicht glücklich. Denn es ist voll von diesen Aufgaben, Reflexionen und kleinen Impulsen. Ich weiß, dass das nichts für jede:n ist, deswegen erwähne ich es an dieser Stelle so explizit.

Für Fortgeschrittene, aber auch für eine noch bessere Bewertung hätte noch ein bisschen mehr Inhalt und eine nochmals verbesserte grafische Darstellung umgesetzt werden müssen. Das Buch ist mit gerade einmal knapp 150 Seiten doch recht dünn und dafür vielleicht auch 5 Euro zu teuer. Denn nach Abzug der Grafiken, Schaubilder, Übungen und Vorlagen sprechen wir vielleicht noch über knapp 80 Seiten Inhalt. Für mich wirklich schade, weil man aus den Worten herauslesen kann, dass Urte Hotje Ahnung vom Thema hat.

Was mir persönlich darüber hinaus gefehlt hat, waren lebhafte Beschreibungen, die mich als Leserin nochmals mehr abgeholt und mitgenommen hätten. Denn ein solches Arbeitsbuch ist – und da brauchen wir uns nichts vorzumachen – erst einmal eine ziemliche Überwindung. Ich kann den Content nicht einfach so aufnehmen, ich muss in mich gehen, ich muss mit dem Buch arbeiten und dann Gelerntes umsetzen. Das kostet Kraft und nicht alle starten in ein solches Buch mit besonders großer Motivation.

Ein paar belebende und motivierende Worte über die Sinnhaftigkeit und vor allem die extremen Vorteile, eine Personenmarke darzustellen, wären sicherlich nicht schädlich und beim ohnehin recht knappen Umfang leicht möglich gewesen. Man hätte das Thema auch problemlos auf 250 Seiten deutlich umfangreicher, schöner und ansprechender aufarbeiten können.

Seit Sie denken kann liest Celine Nadolny alles, was sie zwischen die Finger kriegen kann. Ihr Wissen erweitert sie zudem noch durch ihr duales Studium zum B.A. in Business Administration. Für das GEWINNERmagazin checkt sie regelmäßig neue Bücher im Bereich Finanzen.

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