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BVGE: Spotmarkt-Chancen nutzen, ohne die Planungssicherheit zu verlieren
Negative Strompreise gab es 2025 zu 573 Stunden – Tendenz steigend. Trotzdem profitieren viele Unternehmen davon kaum, weil sie ihren Energieeinkauf vollständig über Festpreise absichern. Ein kompletter Wechsel an den Spotmarkt bringt wiederum neue Risiken mit sich. Wie also lassen sich Marktchancen nutzen, ohne die notwendige Planungssicherheit aufzugeben?
Festpreis oder Spotmarkt? Vor dieser Frage stehen derzeit viele mittelständische und energieintensive Unternehmen. Festpreisverträge schaffen eine kalkulierbare Kostenbasis, schützen vor kurzfristigen Preisspitzen und erleichtern die Budget- und Liquiditätsplanung. Gleichzeitig verhindern sie, dass niedrige oder sogar negative Börsenpreise unmittelbar im eigenen Vertrag ankommen. Spotmarktmodelle ermöglichen genau das, setzen Unternehmen allerdings auch steigenden Preisen in angespannten Marktphasen aus. Gerade für CFOs, Geschäftsführer und Energieverantwortliche ist deshalb weder die maximale Absicherung noch die maximale Marktnähe automatisch die beste Wahl. Entscheidend ist vielmehr ein belastbares Verhältnis zwischen Kostenkontrolle und Marktchance. „Wer dauerhaft nur auf Festpreise setzt, verpasst reale Einsparchancen. Wer ohne Analyse in den Spotmarkt wechselt, holt sich dagegen Risiken ins Haus, die er möglicherweise nicht tragen kann. Das kann die Kostenrechnung eines Unternehmens nachhaltig belasten“, warnt Julian Rosenthal, Geschäftsführer vom BVGE.
„Zwischen vollständiger Absicherung und einem kompletten Wechsel an den Spotmarkt gibt es für Unternehmen weitere Möglichkeiten. Entscheidend ist, eine Beschaffungsstrategie zu finden, die zu den eigenen wirtschaftlichen und operativen Voraussetzungen passt“, erklärt Julian Rosenthal. Genau hier setzt der BVGE aus Siegen an: Das Unternehmen begleitet Betriebe bundesweit beim Energieeinkauf und bei energiewirtschaftlichen Dienstleistungen. Dabei fließen unter anderem das Verbrauchsprofil, die Produktionsplanung, bestehende Vertragslaufzeiten und die individuelle Risikobereitschaft in die Bewertung ein. Mit über 100 Mitarbeitern, mehr als 4.000 Kunden und über 11 Terawattstunden vermitteltem Energievolumen verfügt der BVGE über Erfahrung mit unterschiedlichen Branchen, Verbrauchsprofilen und Beschaffungssituationen. Hinzu kommt eine lieferantenunabhängige Beratung – Empfehlungen sind damit nicht an einen bestimmten Energieversorger gebunden.
Hybridmodelle als Mittelweg zwischen Sicherheit und Marktchance
Das Prinzip hinter einem Hybridmodell ist vergleichsweise einfach: Ein Teil des Strombedarfs wird zu einem festen Preis abgesichert, der andere Teil bleibt an kurzfristige Spotmarktpreise gekoppelt. Damit entsteht ein Mittelweg zwischen zwei gegensätzlichen Beschaffungsstrategien. Der Festpreisanteil schafft eine kalkulierbare Grundlage für die betriebliche Kostenplanung. Über den Spotmarktanteil können dagegen niedrige oder negative Börsenpreise zumindest anteilig im Unternehmen wirksam werden. Gerade für energieintensive Betriebe ist das interessant, weil schon vergleichsweise kleine Preisunterschiede bei großen Verbrauchsmengen wirtschaftlich spürbar werden können. Eine allgemeingültige Aufteilung nach dem Muster 70 Prozent Festpreis und 30 Prozent Spotmarkt gibt es jedoch nicht. Stattdessen sollte sich die Gewichtung am individuellen Verbrauchs- und Lastverhalten des Unternehmens orientieren. Grundsätzlich gilt aber: Je größer der variable Anteil, desto stärker können Unternehmen von günstigen Marktphasen profitieren – gleichzeitig steigt ihre Abhängigkeit von möglichen Preisspitzen. „Die richtige Balance lässt sich deshalb nicht anhand einer Standardquote bestimmen. Entscheidend ist, wie ein Unternehmen Strom verbraucht, welche Flexibilität vorhanden ist und wie viel Preisrisiko wirtschaftlich getragen werden kann“, erklärt Julian Rosenthal.
Bei der Bewertung sollten zudem nicht nur die aktuellen Verbrauchsdaten berücksichtigt werden. Auch geplante Veränderungen im Unternehmen können die Anforderungen an die Energiebeschaffung verschieben. Neue Produktionsanlagen, eine eigene Photovoltaikanlage, Batteriespeicher oder Ladeinfrastruktur können beispielsweise beeinflussen, wann und in welcher Höhe künftig Strom aus dem Netz benötigt wird. Solche Entwicklungen sollten deshalb bereits bei der Ausgestaltung der Beschaffungsstrategie berücksichtigt werden. So orientiert sich die Gewichtung zwischen Fest- und Spotmarktanteil nicht nur am heutigen Energiebedarf, sondern auch daran, wie sich Verbrauch und betriebliche Rahmenbedingungen künftig entwickeln können.
Warum negative Strompreise allein nicht reichen
Wie groß die Chancen flexibler Beschaffung sein können, zeigt die Entwicklung negativer Strompreise. Am Day-Ahead-Markt der EPEX Spot stieg ihre Zahl von 211 Stunden im Jahr 2019 auf 573 Stunden im Jahr 2025. In den ersten vier Monaten des Jahres 2026 wurden bereits 146 negative Stunden verzeichnet. Ursache dafür ist vor allem das wachsende Angebot aus Photovoltaik und Windkraft: Trifft eine hohe Stromerzeugung auf eine vergleichsweise geringe Nachfrage, kann ein Überangebot entstehen und den Börsenpreis unter null drücken. Typische Phasen sind etwa sonnige Wochenenden und Feiertage zwischen 11 und 15 Uhr sowie windstarke Nächte zwischen 0 und 7 Uhr.
Für Unternehmen bedeutet ein negativer Börsenpreis allerdings nicht automatisch, dass sie für ihren Stromverbrauch Geld erhalten. „Negative Strompreise sind eine Chance, aber noch keine Beschaffungsstrategie. Entscheidend ist, ob ein Unternehmen überhaupt die Voraussetzungen mitbringt, um diese Marktphasen wirtschaftlich zu nutzen“, betont Julian Rosenthal. Eine zentrale Voraussetzung ist, dass der jeweilige Vertrag die kurzfristigen Marktpreise überhaupt entsprechend abbildet. Hinzu kommt, dass der Verbrauch genau in den betreffenden Stunden anfallen oder gezielt dorthin verschoben werden muss. Ob und in welchem Umfang das möglich ist, hängt stark von den betrieblichen Abläufen ab – und wird damit zu einem entscheidenden Faktor für den tatsächlichen Nutzen eines Spotmarktanteils.
Auch der Börsenpreis selbst bildet nur einen Teil der tatsächlichen Stromkosten ab. Netzentgelte, Steuern, Umlagen, Abgaben, Lieferantenmargen sowie Kosten für Beschaffung, Strukturierung, Messung und Abrechnung bleiben weiterhin relevant. Ein negativer Preis an der Börse bedeutet daher nicht automatisch einen negativen Gesamtstrompreis für das Unternehmen.
Das eigene Lastprofil entscheidet über das Potenzial
Ob ein Unternehmen einen größeren oder kleineren Spotmarktanteil wirtschaftlich nutzen kann, entscheidet sich wesentlich am eigenen Lastprofil. Es zeigt, zu welchen Zeiten wie viel Strom verbraucht wird – und damit auch, ob günstige Marktphasen überhaupt zum Verbrauchsverhalten passen. Ein Betrieb, dessen hoher Verbrauch regelmäßig in günstige Stunden fällt, bringt andere Voraussetzungen mit als ein Unternehmen, dessen energieintensive Prozesse überwiegend in teuren Marktphasen laufen. Hinzu kommt die operative Flexibilität: Produktionsanlagen lassen sich aufgrund von Schichtmodellen, Lieferterminen, technischen Vorgaben oder durchlaufenden Prozessen häufig nicht beliebig abschalten oder verschieben.
Dabei geht es nicht allein um die technische Frage, ob sich ein Verbrauch verlagern lässt. Entscheidend ist ebenso, ob eine solche Verschiebung wirtschaftlich sinnvoll ist. Entstehen dadurch zusätzlicher Personalaufwand, Verzögerungen im Produktionsablauf oder andere Mehrkosten, kann ein günstigerer Strompreis seinen Vorteil schnell wieder verlieren. Eine belastbare Analyse muss deshalb Energiepreise und betriebliche Auswirkungen gemeinsam betrachten. Spielräume können dennoch außerhalb der eigentlichen Produktion liegen, beispielsweise bei Kühlung, Druckluft, Lüftung, Gebäudetechnik, thermischen Speichern oder Ladeinfrastruktur. Lassen sich solche Verbraucher ohne Qualitätsverlust, Lieferverzug oder unverhältnismäßige Mehrkosten in günstigere Stunden verlagern, steigt das Potenzial flexibler Beschaffung.
Was Unternehmen vor dem Wechsel prüfen sollten
Sind das Verbrauchsprofil und die betriebliche Flexibilität geklärt, geht es im nächsten Schritt darum, daraus eine passende Beschaffungsstrategie abzuleiten. „Die beste Strombeschaffung ist nicht die mit dem höchsten Spotmarktanteil, sondern die, die Marktchancen nutzt, ohne das Unternehmen einem Risiko auszusetzen, das es wirtschaftlich nicht tragen kann“, erklärt Julian Rosenthal. Umso wichtiger ist es, die wirtschaftliche Tragfähigkeit zu prüfen: Wie stark dürfen Energiekosten schwanken, ohne Budgets, Liquidität oder interne Kalkulationen unnötig zu belasten? Je höher das Bedürfnis nach kalkulierbaren Kosten ist, desto stärker kann der Energiebedarf über Festpreise abgesichert werden. Unternehmen, die größere Preisschwankungen tragen können und zugleich die Voraussetzungen für eine flexible Beschaffung mitbringen, können dagegen einen höheren Spotmarktanteil prüfen.
Dabei muss die Umstellung nicht auf einen Schlag erfolgen. Gerade ein anstehender Vertragsauslauf bietet die Möglichkeit, die bisherige Beschaffungsstrategie neu zu bewerten, einen festen Preissockel beizubehalten und zunächst kontrolliert einen variablen Anteil aufzubauen.
Wie der BVGE die passende Beschaffungsstrategie entwickelt
Beim BVGE münden diese Faktoren deshalb in eine konkrete Beschaffungsempfehlung. Ausgangspunkt sind die bestehende Vertrags- und Verbrauchssituation sowie die wirtschaftlichen Ziele des jeweiligen Unternehmens. Auf dieser Grundlage bewertet das Team, welches Verhältnis aus Absicherung und Marktnähe sinnvoll erscheint und welche Festpreis-, Spotmarkt- oder Hybridmodelle dafür infrage kommen. Über das breite Lieferantennetzwerk können anschließend unterschiedliche Angebote und Beschaffungsvarianten gegenübergestellt werden. Da die Beratung lieferantenunabhängig erfolgt, steht dabei nicht ein bestimmter Versorger, sondern die passende Lösung für den jeweiligen Betrieb im Vordergrund.
„Am Ende geht es nicht darum, einem Unternehmen pauschal den Wechsel an den Spotmarkt zu empfehlen. Entscheidend ist, die individuelle Situation genau zu betrachten und auf dieser Grundlage eine passende Beschaffungsstrategie zu entwickeln“, erklärt Julian Rosenthal abschließend.














